gbs Köln

Offener Brief an die DFG wegen des Skandals um Forschungsgelder für die katholische Theologie an der Uni Bochum

Offener Brief an den Vorstand der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Zur Kenntnisnahme weitergeleitet an den Vorstand der Giordano-Bruno-Stiftung und den Vorstand der gbs Köln.

.

.

Sehr geehrte Frau Horstmann,

Wie ich aus der Webseite der DFG entnommen habe, sind Sie für das Qualitätsmanagement im Bereich des Emmy Noether-Nachwuchsprogramms zuständig. Falls Sie sich für den vorgetragenen Fall nicht zuständig fühlen, bitte ich Sie um Weiterleitung meines Anliegens an die zuständige Person.

Ich war über einige Jahrzehnte am 1.Physikalischen Institut der Universität Köln als Wissenschaftler angestellt. In dieser Zeit war ich an mehreren Sonderforschungsbereichen aktiv beteiligt. Ich habe die Begutachtungsverfahren und die Mittelzuwendungen der DFG immer als ausgesprochen gerecht, demokratisch und wohlüberlegt empfunden. Insbesondere die Begutachtungen fanden auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau statt. Insgesamt bin ich der DFG außerordentlich dankbar für die mir und meinen Kollegen gewährte Unterstützung, ohne die ich den größten Teil meiner Forschungsarbeit nicht hätte durchführen können. Umso entsetzter war ich, als ich nun feststellen musste, dass die DFG seit Mai dieses Jahres ein Projekt an der Uni Bochum unterstützt, dass in keinerlei Hinsicht dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit gerecht wird. Insbesondere werden hier die Grundsätze der Neutralität und der Ergebnisoffenheit in eklatanter Weise verletzt.

Es geht um das im Rahmen des Emmy Noether-Nachwuchsprogramms genehmigte Projekt: „Theologie als Wissenschaft?! – Naturalismus und Wissenschaftstheorie als Herausforderungen katholischer Theologie“. Die Projektbeschreibung ist laut DFG (http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/295845819):

„Das Ziel der Nachwuchsgruppe besteht darin, die in der gegenwärtigen Debatte vonseiten des Naturalismus und der analytischen Wissenschaftstheorie vorgebrachten Einwände gegen die Wissenschaftlichkeit der katholischen Theologie zu strukturieren, zu evaluieren und, durch das Entwickeln einer allgemein anschlussfähigen Wissenschaftstheorie der katholischen Theologie, zurückzuweisen.“

Auf den ersten Blick scheint das ja noch einigermaßen sinnvoll zu sein. Bei genauerem Nachlesen stellt man jedoch fest, dass es hier nicht um eine ergebnisoffene Forschung gehen soll, sondern um die Zurückweisung von Einwänden gegen die Theologie. Sinn hätte ein solches Projekt nur dann gemacht, wenn es von einer neutralen Gruppe z.B. innerhalb der allgemeinen Philosophie durchgeführt worden wäre, wobei dann durchaus auch einige Theologen hätten beteiligt werden können. Aber so ist es eigentlich ein Skandal, denn hier wird sozusagen der Bock zum Gärtner gemacht. Davon abgesehen ist die Ausstattung mit 1,6 Millionen Euro und die Dauer von 5 Jahren ausgesprochen üppig. Jeder durchschnittlich begabte Philosoph bzw. Wissenschaftstheoretiker dürfte in der Lage sein, innerhalb einer Stunde zu beweisen, dass die Theologie keine Wissenschaft ist. Ich selbst habe genau zu diesem Thema erst vor wenigen Tagen einen Artikel beim Humanistischen Pressedienst (hpd) veröffentlicht:

 http://hpd.de/artikel/warum-theologie-keine-wissenschaft-13057

Alleine in diesem Artikel sind schon genügend Argumente zusammengetragen, die ausreichend beweisen, dass die Theologie keine Wissenschaft ist und eigentlich an den Universitäten nichts mehr zu suchen hat. Ein besonders treffender Kommentar (von Bernd Kammermeier) zu meinem Artikel war:

„Spätestens, wenn man begriffen hat, dass das Nibelungenlied ein fiktionaler Text ist, sollte man seine Suche nach dem Schatz der Nibelungen beenden. Wer trotzdem weitersucht, muss eine staatlich finanzierte Stelle innehaben und will diesen Vorteil bis zur Rente genießen.“

Für diejenigen, die meine Kompetenz als Physiker in bezug auf geisteswissenschaftliche Themen anzweifeln, sei hier noch auf einen Artikel von dem  promovierten Theologen Dr. Heinz-Werner Kubitza verwiesen, der mit ähnlichen Argumenten zum gleichen Urteil kommt:

http://www.tagesspiegel.de/wissen/ist-theologie-eine-wissenschaft-lehre-unter-denkmalschutz/11588538.html

Hier ein kleiner Auszug aus seinem Artikel:

„Theologie kann auch deshalb nicht wissenschaftlich sein, weil sie konfessionell ist, und es eben keine evangelische oder katholische Wissenschaft geben kann. Sie ist auch deshalb keine Wissenschaft, weil in den Dogmatiken selbst freimütig zugegeben wird, dass wissenschaftsfremde Bedingungen (eigene Gläubigkeit, Bibel, Bekenntnisse) die Grundlagen bestimmen, und dass man ohne diese nicht Theologie treiben kann.“

In einem Artikel von domradio.de:

https://www.domradio.de/themen/glaube/2016-05-02/uni-bochum-erforscht-wissenschaftlichkeit-katholischer-theologie

wird der Antragsteller des Projekts Herr Göcke zitiert:

„Sollte sich zeigen, dass katholische Theologie keine Wissenschaft ist, muss laut Göcke auch die Rolle der Theologie an der Universität neu überdacht werden. Theologische Fakultäten samt ihrer Abschlüsse liefen dann Gefahr, aus dem universitären Kanon ausgeschlossen zu werden. Dagegen müsste im Fall einer positiven Bilanz geprüft werden, welche konfessionsgebundenen theologischen Fakultäten zusätzlich zu den bereits bestehenden Fakultäten an staatlichen Universitäten neu eröffnet werden sollten, erklärte der Theologe.“

Dem Interessenskonflikt, sich mittels eines „Forschungsprojekts“ sozusagen selbst überflüssig zu machen, oder das Gegenteil davon zu beweisen, würde allerdings jeder seriöse Wissenschaftler aus dem Wege gehen. Da das Ergebnis in der Projektbeschreibung quasi vorweggenommen ist und sogar eine Ausdehnung der theologischen Fakultäten avisiert wird, dürfte wohl unschwer zu prognostizieren sein, dass das Ergebnis positiv im Sinne von Herrn Göcke ausfallen wird, obwohl er ja anscheinend selbst an der Wissenschaftlichkeit der Theologie zweifelt. Darüber hinaus büßt die DFG mit der Genehmigung des Projekts an Glaubwürdigkeit ein und schadet sich damit in hohem Maße selber. Und gleichwohl auch dem Wissenschaftsbetrieb insgesamt, dem diese Mittel an anderer Stelle nicht zur Verfügung stehen.

Meine Fragen sind aus den genannten Gründen, ob und in welcher Form hier die übermächtige Lobby der katholischen Kirche ihre Hände im Spiel hatte und warum von Seiten der DFG niemanden aufgefallen ist, dass hier auf gröbste Weise die Prinzipien einer gerechten und verantwortlichen Mittelvergabe ausgehebelt wurden. Interessieren würde mich auch, wer die Gutachter waren.

Von Seiten der Giordano-Bruno-Stiftung und hier insbesondere von der Regionalgruppe Köln sowie dem Säkularen Netzwerk NRW (SNW) werden wir die Dinge weiter verfolgen und dafür Sorge tragen, dass die Öffentlichkeit informiert wird. Die gbs Regionalgruppe Köln hat bereits einen ersten Artikel zu dem Thema beim hpd veröffentlicht:

http://hpd.de/artikel/skandal-um-forschungsgelder-fuer-katholische-theologie-13075

.

.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Bernd Vowinkel

Mai 12, 2016 Posted by | Eigene Artikel | | 2 Kommentare

Skandal um Forschungsgelder für die katholische Theologie

KÖLN. (hpd) Vor wenigen Tagen war bei domradio.de zu lesen: „Uni Bochum erforscht Wissenschaftlichkeit katholischer Theologie“. Offensichtlich erhält die katholische Theologie an der Universität Bochum im Laufe der nächsten fünf Jahre 1,6 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), um Einwände gegen ihre Wissenschaftlichkeit zurückzuweisen.

Zunächst einmal ist es ja durchaus begrüßenswert, dass die katholische Theologie nach Jahrhunderten des Festhaltens an überkommenen Thesen und Dogmen anfängt, über ihre eigene Wissenschaftlichkeit nachzudenken.

Eigentlich ist es eine Selbstverständlichkeit für jeden Wissenschaftszweig, dass man ständig seine eigenen Grundlagen auf ihre Tragfähigkeit überprüft. Bei der Theologie scheint das aber eine vollkommen neue Idee zu sein. In Wahrheit ist es aber wohl eher eine Reaktion auf den von allen Seiten gegen sie aufkommenden Druck.

 

weiterlesen:

http://hpd.de/artikel/skandal-um-forschungsgelder-fuer-katholische-theologie-13075

 

Mai 11, 2016 Posted by | Presse | | Hinterlasse einen Kommentar

Uni Bochum erforscht Wissenschaftlichkeit katholischer Theologie – Sind religiöser Glaube und Vernunft vereinbar?

Kommentar zu: Uni Bochum erforscht Wissenschaftlichkeit katholischer Theologie – Sind religiöser Glaube und Vernunft vereinbar?, Originalartikel veröffentlicht am 02.05.2016 von domradio.de

Katholische Theologen der Universität Bochum wollen klären, ob ihr Fach dem Anspruch an Wissenschaft gerecht wird.*

Was bei dieser „Klärung“ herauskommt, wird maßgeblich davon abhängen, ob die katholischen Theologen dazu redliche, wissenschaftliche oder katholisch-theologische Methoden anwenden.

Und selbst wenn sich die Methodik tatsächlich als wissenschaftlich herausstellen sollte, ändert das nichts daran, dass es sich bei dem Forschungsgegenstand der Theologie lediglich um menschliche Fiktion handelt. Immerhin scheint es bis in Theologenkreise durchgedrungen zu sein, dass es den einen oder anderen Zweifel an der Seriösität dieser Disziplin gibt, um es höflich auszudrücken.

 

 

weiterlesen:

http://www.awq.de/2016/05/uni-bochum-erforscht-wissenschaftlichkeit-katholischer-theologie-sind-religioeser-glaube-und-vernunft-vereinbar/.

Mai 4, 2016 Posted by | Presse | | 1 Kommentar

Der Gott des Gemetzels

Ein Theologieprofessor fordert die Abschaffung des Alten Testaments. In seiner Fakultät in Berlin bekriegt sich inzwischen das Kollegium öffentlich. Selbst vor Nazi-Vergleichen wird nicht zurückgeschreckt.

 

 

weiterlesen:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/berlin-professor-fordert-abschaffung-des-alten-testaments-13549027.html

Mai 4, 2015 Posted by | Presse | | 1 Kommentar

Lehre unter Denkmalschutz

An zahlreichen staatlich finanzierten Universitäten wird Theologie betrieben. Eine Wissenschaft ist sie allerdings nicht – aus mehreren Gründen. Ein Einwurf.

Die Theologie ist eigentlich ein Kuriosum an modernen Universitäten. Während andere Fachbereiche einen klar abgegrenzten Forschungs- und Lehrbereich haben, ist bei den Theologen nicht einmal klar, ob es den zentralen Gegenstand, der ihrer Wissenschaft Theologie den Namen leiht, ob es diesen Theos überhaupt gibt. Während andere Fachgebiete seit der Aufklärung und dem Entstehen eines modernen wissenschaftlichen Denkens die Welt real verändert haben, wird es in der Theologie schon als Innovation gefeiert, wenn von Zeit zu Zeit ein alter Holzweg mit viel verbalem Aufwand wieder freigeräumt und eine neue „Schule“ gegründet wird.

Wenn die Theologie ihren Gegenstand auch nicht nachweisen kann, so gibt es sie dafür gleich doppelt, nämlich als katholische und als evangelische Theologie – an insgesamt 31 Fachbereichen an deutschen Universitäten.

 

 

weiterlesen:

http://www.tagesspiegel.de/wissen/ist-theologie-eine-wissenschaft-lehre-unter-denkmalschutz/11588538.html

April 4, 2015 Posted by | Presse | | 1 Kommentar

Von der „Kreuzigung“ intellektueller Redlichkeit

kubitza_lesung_0Von Constanze Cremer

4. Mär 2015

KÖLN. (hpd) Er hat sich schon vor Jahren der Häresie schuldig gemacht: Der Doktor der evangelischen Theologie, Heinz-Werner Kubitza, las aus seinem neuen Buch „Der Dogmenwahn“, das im Vorfeld schon hervorragende Kritiken (u.a. von Siegfried R. Krebs und Horst Herrmann) geerntet hatte.

In gewisser Weise kann man dieses Buch fast als das dritte einer Trilogie bezeichnen – wenn man sich nicht scheut, neben seinem Vorläufer „Der Jesuswahn“ auch Richard Dawkins‘ „Der Gotteswahn“ mitzuzählen.

Als Kubitza, der mittlerweile Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung ist, 2001 den Kirchenaustritt vollzog, war das sich aus der Natur der Sache ergebende Problem, nur für diesen einen Beruf qualifiziert zu sein, bereits elegant damit gelöst, dass er auch schon Verleger war und nun sich und andere kirchenkritische Autoren erfolgreich publiziert.

Sein Vorgänger-Werk „Der Jesuswahn“, in dem er aus historisch-kritischer Sicht über Jesus von Nazareth schrieb, letzterer starb bekanntlich als Gescheiterter und Irrender, hat sich bereits über 10.000 Mal verkauft.

Im „Der Dogmenwahn, Scheinprobleme der Theologie – Holzwege einer angemaßten Wissenschaft“, der, mit einem Augenzwinkern, aufgebaut ist wie eine klassische Dogmatik, geht Kubitza nun der Frage nach, wie moderne Theologie daherkommt und ob sie tatsächlich so modern ist, wie sie vorgibt.  Dazu hat er sich die, für einen sich mittlerweile als Atheisten Verstehenden mutmaßlich zunächst eher als „harte Strafe“ denn interessante Unternehmung empfundene, Arbeit gemacht, die gängigen Dogmatiken der unter Fachleuten populären evangelischen Theologen durchzuarbeiten, und er fand dies, wie er sagt, wirklich höchst amüsant:

Staatlich hochbezahlte Leute führen den Leser in eine Parallelwelt und lösen dortige Scheinprobleme mit Scheinlösungen. Es eröffnen sich dabei faszinierend-absurde Denkwege, die beschritten werden, weil, gefesselt an alte Traditionen, ein freies Denken ausgeschlossen ist. Beispiele für solche Scheinprobleme, die niemand hätte, würde man die unelegante Gottes-Hypothese nicht vertreten: „Was machte Gott vor der Schöpfung?“, „Wie ist das Verhältnis Gottes zu den Tieren?“, „Ist auch das Böse von Gott geschaffen?“.

Theologen können laut Kubitza keine wirkliche Kritik üben, weil sie viel zu sehr selbst am Spinnennetz der Dogmatik mitgewebt haben, das sie nun gefangen hält. Wo sie sich kritisch äußern, kann dies immer nur Binnenkritik sein, wirkliche Kritik kann daher immer nur von außen kommen, wird dann aber, weil sie von Laien kommt, erst gar nicht zur Kenntnis genommen.

Für Predigten bräuchten die Theologen übrigens keine Dogmatiken, da gehe es mehr um die Erbauung der Gemeinde, eigentlich seien Dogmatiken nur für Theologie-Studenten relevant und Höhepunkt eines Theologen-Lebens sei es, eine eigene Dogmatik zu verfassen.

Nachdem er einige verschwurbelt-langweilige Zitate aus Dogmatiken verlesen hatte, war man als Zuhörer dankbar, sich nicht selbst eine derartige Lektüre antun zu müssen, sondern zu hören, dass darüber der historische Jesus nur schallend gelacht hätte.

Amüsant auch, wie leichtfüßig Kubitza beschreibt, wie schlecht im Saldo der Schreibstil der Bibel ist, genauso, wie der des Koran, und wie man sich als Leser in dem Moment gewahr wird, dass er gleichzeitig vorführt, wie man es doch so viel besser machen kann. Man sollte sich also nicht vom Umfang des Buches, seinem strengen Äußeren und den so vielen eng beschriebenen Seiten abschreckend lassen: abgesehen von einer Menge Wissen über „Aliens auf Papstaudienz“, „Eiertänze“ und „Theologen, von denen man wirklich denken könnte, sie hätten was geraucht“, würde einem eine kurzweilige, von Ironie und Bonmots gespickte, Lektüre entgehen…

In der anschließenden Diskussion wurde überwiegend Interesse am historischen Jesus gezeigt, im Gegensatz zu den im Vorfeld beschriebenen Theologen, die merklich die Frage nach dem historischen Jesus nicht gestellt hätten, hätten sie gewusst, was sie sich damit einhandelten:

Der historische Jesus hat laut Kubitza dogmatisch nämlich nichts zu bieten und ist zu uninteressant und fremdartig, als dass mit ihm Kirche zu machen sei. Er mache einen eher spröden Eindruck, gehörte einer anderen Religion an, die mit dem späten Christentum fast nichts zu tun hatte und war ein religiöser Extremist mit der Meinung, das Ende der Welt stehe direkt bevor; Extremismus und Überspanntheit musste er dann mit dem Kreuzestod „bezahlen“. Er habe sich als frommer Jude natürlich nicht als gottähnliches Wesen gesehen und schon allein den Gedanken als Blasphemie empfunden, sein Tod, der vermutlich unbeabsichtigt war, habe für ihn keine Heilsbedeutung gehabt.

Die meisten Theologen würden sich daher, so Kubitza, zwar artig zum geschichtlichen Jesus wie zu einer Ehefrau bekennen, ihre Leidenschaft aber gelte dem dogmatischen Christus als ihrer heimlichen Geliebten. Nur die Liebe (die angenehmste Form des Wahnsinns) könne erklären, warum gestandene Männer und Frauen, die sich selbst als Wissenschaftler verstanden wissen wollen, wenn sie von Jesus redeten, ins Schwärmen gerieten wie pubertierende Pennäler.

Auf die Frage, wie hoch er die Wahrscheinlichkeit einschätze, dass Jesus überhaupt existiert hat, führte er aus: Es gab und gibt einzelne Theologen, wie z.B. Hermann Detering, die behaupten, dass er ein reiner Mythos sei, aber man schaffe sich damit tatsächlich mehr Probleme, als man löse.

Er selbst gehe davon aus, dass Jesus wohl eine historische Person war, die immer mehr mythologisiert wurde. Denn wenn man davon ausgehe, dass er erfunden wurde, warum habe man ihn dann mit so vielen Fehlern ausgestattet, warum ließ man ihn taufen, warum kreuzigen, warum einen so gängigen Namen tragen, warum einen so provinziellen Geburtsort haben?

Cover

Die jüdische Sicht auf Jesus sei schon immer viel realistischer gewesen, wie die Forschung festgestellt habe: ein Mensch aus seiner Zeit, vermutlich verheiratet, weil er sonst angegriffen worden wäre.

Wenn es in Jesus’ Worten wirklich eine göttliche Offenbarung gegeben habe, dann sei es sein gravierendster Fehler gewesen, nichts Schriftliches hinterlassen zu haben. Alles sei aus zweiter oder dritter Hand überliefert und daher sicher voller Missverständnisse. Eventuell hat er auch deshalb nichts Schriftliches hinterlassen, weil die Welt ja bald untergehen sollte. Aber wenn Jesus doch tatsächlich sagte, dass einige Zeitgenossen das Reich Gottes noch erleben würden, hätte man ja spätestens im zweiten Jahrhundert zur Kenntnis nehmen müssen, dass er sich geirrt hatte…

Die These vom Seitensprung Marias mit dem römischem Offizier Panthera bezeichnet Kubitza als Legende: Sie tauchte erst 200 Jahre später auf und ist daher sicher kein historisches Zeugnis mehr. Aber dass Jesus öfter nur als „Sohn der Maria“ bezeichnet wurde, könnte darauf hinweisen, dass er unehelich geboren war…

Zur Frage, wie denn die Theologen auf seine Bücher reagierten, war die Antwort knapp: sie würden grundsätzlich ignoriert. Er plane aber, alle bekannten evangelischen Theologen auf das neue Buch hinzuweisen. Er rechnet damit, dass es zwar gelesen wird, aber nicht rezipiert, da „man“ damit kaum etwas zu gewinnen habe… Er behandele in seinem Buch nur die gängigen theologischen Ansichten, mit Extrempositionen würde er es den Gegnern zu leicht machen. Diese gängigen Positionen kämen aber nicht in Predigten vor. Wenn die berühmten „wissenschaftlich vergeistigten“ Theologen mitunter einmal zu Predigten eingeladen würden, sei er teilweise schockiert, wie anders gegenüber dem „gemeinen Volk“ gepredigt werde.

Er habe auch Freunde unter Pfarrern, mit denen er zusammen studiert habe, von denen einige sagen würden: „Jetzt bin ich 40 oder 50 Jahre alt, ich habe doch nichts anderes gelernt…“ Oder: „Ich glaube halt Nonsens, das tut gut.“ Oder man verschreibe sich allein der Religion als Wellness: Es ist so ein tolles Gefühl im Gottesdienst.

Gefährlich seien die Auswirkungen von Dogmen auf die Realität: aus der Idee von der Reinheit Mariens etwa, wahrscheinlich ohnehin nur ein Übersetzungsfehler, ergebe sich nach wie vor die Haltung der Kirchen zu Abtreibung und PID, zur Stellung der Frau allgemein, die ja eigentlich so sein sollte wie Maria…

Religion, so Kubitza, war einst ein Selektionsvorteil und wird daher nicht schnell verschwinden. Heute ist sie zum Hindernis geworden; die Welt sähe ohne viel friedlicher aus.

Auf die Frage, was ihn denn letztlich zum Bruch mit der Theologie geführt habe, erklärte er, über die Kenntnisse, welche er im „Jesuswahn“ dargelegt hat, habe er zwar schon damals verfügt, sie sich aber immer wieder so „zurechtgebastelt“, dass er dann doch seinen Glauben nicht aufgeben musste. Ausgetreten aus der Kirche war er zunächst nur aus Protest, weil für eine Kirchenorgel extrem viel Geld verschwendet wurde.

Erst später sei er kritisch geworden, nachdem er sein „Damaskus-Erlebnis“ hatte: das Buch „Denn sie wissen nicht was sie glauben“ von Franz Buggle.

Bis dahin hatte er die negativen Stellen in der Bibel immer komplett überlesen. Denn tatsächlich, auch Theologen tun sich schwer mit der so teilweise zähen und langweiligen Bibel-Lektüre: man blättert einfach weiter, bis man etwas findet, was einem gefällt. Und wenn man etwas Grausames liest, dann blättert man einfach weiter.

Das Wesen der Bibel wie auch des Korans sei es, dass sich immer beides darin befinde: Schreckliches wie Angenehmes, daher könne man diese Schriften für alles heranziehen und niemals auf ihrer Grundlage ein funktionierendes faires Gemeinwesen gründen. Dies könne man nur auf Basis der Menschenrechte und allgemeingültigen Vereinbarungen wie dem Grundgesetz.

Auf die Schlussfrage, wie man denn am sinnvollsten schon im Vorfeld den in zwei Jahren anstehenden „Luther-Käßmann-Festspielen“ begegnen könne, verwies er auf schon bestehende Flyer, die es zu ergänzen gälte, und welche vor allem „unter das Volk“ zu bringen seien: aufklären, bis sich die Theologen eigentlich schämen müssten, sich auf solcherlei Huldigungsveranstaltungen blicken zu lassen. Huldigungsveranstaltungen, zu denen man mit großer Sicherheit mit den Worten aus Kubitzas „Dogmenwahn“ wird sagen müssen: Hier wird „die intellektuelle Redlichkeit gekreuzigt“.

März 5, 2015 Posted by | Eigene Artikel | | 1 Kommentar

Lesung: Der Dogmenwahn

Dogmenwahn

Scheinprobleme der Theologie

Holzwege einer angemaßten Wissenschaft

Lesung von Dr.Heinz-Werner Kubitza

Dienstag, 24.02.2015, 19:30 Uhr

Hinterhofsalon
„Der Kultursalon im Herzen Kölns“
Aachener Str. 68, 50674 Köln

Unkostenbeitrag: € 6,-/3,- (ermäßigt)

Februar 21, 2015 Posted by | Aktuell | | Hinterlasse einen Kommentar

SRF-Sternstunde: Philosoph zerpflückt Theologie

Der Philosoph Norbert Hoerster machte aus der Sternstunde Religion eine Sternstunde Philosophie und entzauberte die Theologie.

«Macht Religion die Menschen moralisch besser?» lautete das angekündigte Thema der SRF-Sternstunde Religion vom letzten Sonntag (siehe Link unten). Der Philosoph Norbert Hoerster und der Theologe Georg Pfleiderer diskutierten unter der Leitung von Judith Hardegger. Hoerster (76) lehrte von 1974 bis 1998 Rechts- und Sozialphilosophie an der Universität Mainz. Pfleiderer (53) ist Ordinarius für Systematische Theologie/Ethik an der Universität Basel, Mitglied der Synode der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt und Präsident der Eidgenössischen Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich (EKAH). Die Gesprächsleiterin Hardegger (42) ist ebenfalls Theologin und war früher Redaktorin der Zeitschrift «forum-Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zürich».

 

 

weiterlesen im Originalartikel

April 20, 2013 Posted by | Presse | | 1 Kommentar

Papst Franziskus bestätigt: Theologie ist keine Wissenschaft!

Im Zuge des „Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien“ wurde auch die Finanzierung der konfessionsgebundenen – aber staatlich finanzierten – Theologischen Fakultäten diskutiert. Unerwartete Unterstützung erhalten die Kritiker der Privilegien nun vom höchsten irdischen Repräsentanten der Katholischen Kirche.

Am 12.04.2013 ermahnte der Papst die katholische Bibelwissenschaftler zur Kirchentreue „Die Interpretation der Heiligen Schrift dürfe nicht nur ein „individuelles wissenschaftliches Unterfangen“ sein, sondern müsse stets in die „lebendige Tradition der Kirche“ eingebettet bleiben, sagte er am Freitag vor den Mitgliedern der päpstlichen Bibelkommission. Ein angemessenes Verständnis sei daher nur im Lichte der Tradition und des kirchlichen Lehramts möglich.

 

 

weiterlesen im Originalartikel

April 20, 2013 Posted by | Presse | | 2 Kommentare

Fastfood Theology

Februar 5, 2010 Posted by | Videos | , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Denkfehler der Theologie

von Bernd Vowinkel

In dem in der katholischen Tageszeitung „Die Tagespost“ abgedruckten Streitgespräch zwischen dem gläubigen Philosophen Jörg Splett und dem gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon argumentierte Splett mit folgenden Worten:

Der Naturalismus fragt nur nach dem Entstehen, dem Werden. Der Philosoph fragt: Was ist die Bedingung der Möglichkeit dafür, dass so etwas entstehen kann. Das ist eine Stufe davor. Sie haben gesagt, die Evolution sei eine Hypothese. Das ist sie, weil es die prinzipielle Arbeitsweise der Naturwissenschaften ist, etwas nur solange als gültig zu behaupten, bis es widerlegt ist. Das darf man aber nicht auf alles Wissen anwenden. Für die Mathematik gilt es schon nicht mehr. Ich vermute nicht, dass der Satz des Pythagoras wahr ist. Das habe ich eingesehen. Und er galt gestern und gilt übermorgen: Es gibt Dinge, die wissen wir, ohne sie bloß zu vermuten…

…Aber es bleibt die Frage: Ist die Einsicht ein Ergebnis der Evolution? Nein! Sondern ein entsprechend evolviertes Gehirn sieht ein, dass das Quadrat über der Diagonale doppelt so groß ist wie das Quadrat, dessen Diagonale es ist. Das wird eingesehen, da wird sich nicht dran gewöhnt, mit Erstaunen, wenn es anders ist. Wie erklären Sie sich das? Was macht ein Naturalist mit Einsicht?

Es ist dies eine häufig vertretene Ansicht von Theologen. Ich möchte daher die Antworten von Schmidt-Salomon folgendermaßen ergänzen:

Wir reden zwar häufig im Naturalismus von Wahrheiten, aber im Grunde geht es dabei um Realitäten. Eine Aussage über die reale Existenz bestimmter Dinge oder Zusammenhänge ist wahr oder falsch oder mit einer gewissen, begrenzten Genauigkeit wahr. Die Wahrheiten der Mathematik sind anderer Art. Sie beziehen sich auf Aussagen innerhalb von Axiomensystemen, die alle von der Realität abstrahiert bzw. idealisiert sind. Aufgrund der Idealisierung gibt es in der Mathematik absolute Wahrheiten. Diese beziehen sich aber ausschließlich auf das jeweilige Axiomensystem. Einsichten in mathematische Wahrheiten müssen erlernt werden. Die Einsicht in Sätze der Geometrie erfordert ein räumliches Vorstellungsvermögen, dass im Kindesalter nur über die Erfahrung der „Außenwelt“ erworben werden kann. Eine „a priori“ Erkenntnis mathematischer Zusammenhänge, wie sie Kant vermutet hat, ist zweifelhaft.

Inwiefern Wahrheiten der Mathematik auf die Realität angewendet werden können, entscheiden die Naturwissenschaften. Dazu folgendes Beispiel: ein wahrer Satz der euklidischen Geometrie ist, dass die Winkelsumme im Dreieck exakt 180° ist. Diesen Satz kann man zunächst unmittelbar auf die Realität anwenden. Innerhalb der Messgenauigkeit werden wir unserer Alltagswelt ebenfalls 180° messen. Bei sehr großen Dreiecken (z.B. dargestellt durch die Position von drei Erdsatelliten) ergeben sich jedoch Abweichungen (Winkelsumme etwas größer als 180°) aufgrund des Einflusses der Schwerkraft der Erde, der mit der allgemeinen Relativitätstheorie beschrieben wird. Dies ist kein Versagen der Mathematik, sondern es zeigt nur, dass diese Form der Mathematik hier nicht angewendet werden kann. Es gibt aber auch eine so genannte nichteuklidische Geometrie, die diese Effekte berücksichtigt und damit wieder zu exakten Aussagen führt. Welche Art von Geometrie hier die richtige ist, entscheidet also die Naturwissenschaft und zwar letztlich durch empirische Messung bzw. Beobachtung. Man kann sich grundsätzlich die Realitäten der Außenwelt nicht nur einfach ausdenken, sondern man muss sie empirisch erfahren. Man kann sich Hypothesen bzw. Erklärungsmodelle ausdenken. Inwieweit sie zutreffen, entscheidet aber ausschließlich die Empirie. Hypothesen über die Realität die nicht überprüfbar sind (z.B. Gotteshypothesen), sind völlig wertlos, weil sie keine Aussagekraft haben. Ein nur gedachter Gott kann auf die Realitäten keinen unmittelbaren Einfluss nehmen. Die Natur bzw. die Realitäten der Außenwelt richten sich nicht nach unserer Vorstellungskraft und schon gar nicht nach unseren Wünschen.

Die „Bedingung der Möglichkeit“ dass etwas entstehen kann, ist eine Frage der Physik und nicht der Theologie oder der Philosophie. Die Quantentheorie zeigt, dass zumindest Dinge aus dem Vakuum heraus bedingungslos entstehen können und dies ist auch experimentell nachweisbar (Casimir-Effekt).

Den Tiefpunkt erreicht Splett mit seinem Gottesbeweis: Ohne Gott gäbs kein Gutes. Nun gibt es aber das Gute, also gibt es Gott. Hier könnte man auf dem gleichen Niveau kontern: In seinem Buch „Jenseits von Gut und Böse“ hat Schmidt-Salomon ja gerade gezeigt, dass es weder das Gute noch das Böse gibt. Nach Spletts Logik wäre das dann der Beweis, dass es Gott eben nicht gibt.

Als Naturwissenschaftler bekommt man häufig von Theologen den Vorwurf, dass man beim Thema Gott über Dinge redet, von denen man nichts versteht. Ich schließe mich hier dem Argument von Richard Dawkins an: Man muss nicht unbedingt Mode in Mailand und Paris studiert haben, um intellektuell in der Lage zu sein, feststellen zu können, dass der Kaiser nackt ist.



Januar 5, 2010 Posted by | Eigene Artikel | | 2 Kommentare