gbs Köln

Margot Käßmann: „die Bibel fordert wie selbstverständlich die Gleichberechtigung von Mann und Frau“

ein Beitrag von Uwe Lehnert

 

In einem Kommentar auf der Internetseite  http://chrismon.evangelisch.de/blog/auf-ein-wort/das-ende-der-hierarchie-17517   behauptet die frühere Bischöfin Margot Käßmann, dass die Bibel wie selbstverständlich die Gleichberechtigung von Mann und Frau fordert. Ich habe ihr in einem Kommentar widersprochen. Leider wurde der Kommentar nicht angenommen, ich stelle ihn daher hier ins Netz. (Auf den Seiten von evangelisch.de werden meine Kommentare seit Jahren ausnahmslos immer veröffentlicht!).

Frau Margot Käßmann hat gewiss Recht, wenn sie auf die unbefriedigende Situation der Frau in Deutschland verweist. Noch mehr muss man ihr zustimmen, wenn sie die Rolle der Frauen in Ländern wie Saudi-Arabien, Indien oder den Philippinen beschreibt.

Sehr einseitig, geradezu unredlich interpretiert sie aber die Bibel, wenn sie schreibt: »Wer die Bibel liest, weiß, dass es keine Hierarchien geben kann. Gott schuf den Menschen zum eigenen Bilde, beide, Mann und Frau (1. Buch Mose 1,27)«.

Das Alte Testament kennt m.W. keine die Frau wertschätzenden Äußerungen. Im Buch der Richter, Kap. 19,22-26, wird mit Einverständnis eines Geistlichen und seines Gastgebers eine Frau zu Tode missbraucht. Nicht ein einziges bedauerndes Wort findet sich an dieser Textstelle zu der frauenverachtenden Haltung der beiden Männer, in deren Obhut die Frau sich befand.

Das Neue Testament zeichnet auch kein Bild der Gleichberechtigung oder gar wertschätzenden Gleichrangigkeit. Unter den zwölf Aposteln ist bekanntlich keine Frau. Immerhin umgab sich Jesus mit Frauen, was wohl damals eher ungewöhnlich war; allerdings mit wohlhabenden. Überhaupt wird die Frauenrolle in den Texten des Neuen Testaments nur vergleichsweise selten thematisiert. Auszugsweis einige wenige Beispiele (Einheitsbibel):

1. Korinther 11, 8-9: »Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann. Der Mann wurde auch nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann.« Kapitel 14, 33-36: »Wie es in allen Gemeinden der Heiligen üblich ist, sollen die Frauen in der Versammlung schweigen; es ist ihnen nicht gestattet zu reden. Sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz es fordert. …Ist etwa das Gotteswort von euch [den Frauen] ausgegangen?« 1. Timotheus 2, 11-13: »Eine Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen. Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht; sie soll sich still verhalten. Denn zuerst wurde Adam erschaffen, danach Eva.« 1. Petrus 3, 1-2: »Ebenso sollt ihr Frauen euch euren Männern unterordnen, damit auch sie, falls sie dem Wort (des Evangeliums) nicht gehorchen, durch das Leben ihrer Frauen ohne Worte gewonnen werden, wenn sie sehen, wie ehrfürchtig und rein ihr lebt.«

Nun sagt man, dass solche Texte heute so nicht mehr gelesen werden dürften, sie seien aus der damaligen Kultur heraus zu verstehen, sie bedürften der Übertragung in die heutige Zeit. Ich will gern einräumen, dass so manches Wort und so manches Bild der alten biblischen Texte eine neuzeitliche Interpretation erlauben, ohne dass der Kern ihrer Aussage verloren geht. Die biblischen Texte zur Rolle der Frau aber müssten in ihrer Aussage in das glatte Gegenteil verbogen werden, wenn sie aufgeklärtem Denken genügen sollten. Eine solche Form der Interpretation aber wäre nichts anderes als Verdrehung und Verfälschung. Wer sich erlaubt, diese biblischen Texte so großzügig zu deuten, wird einfach unehrlich und unglaubwürdig. Selbst das Berücksichtigen der damaligen zeitlichen beziehungsweise kulturellen Umstände bei der Deutung der biblischen Texte zur Rolle der Frau kann redlicherweise nicht zu einer vollständigen Umkehrung der ursprünglich sehr eindeutigen Aussage führen.

Nicht zuletzt der bibelkundige und bibeltreue Martin Luther hat in Predigten und Tischreden zum Ausdruck gebracht, welche Rolle der Frau aus theologischer Sicht zugedacht sei. Zwei viel zitierte Äußerungen – vermutlich aus seinen Tischreden – seien hier wiedergegeben:

»Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.« / »Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, dass die Männer durch sie geboren werden.«

Und verbirgt sich hinter den Begriffen »Unbefleckte Empfängnis« und »Jungfrauengeburt« indirekt nicht auch eine Abwertung der weiblichen Sexualität, so als ob der Liebesakt etwas Unanständiges, gar Schmutziges sei? Nur die Jungfrau gilt als rein, die »normale« Frau ist es offenbar nicht. Vom Mann gibt es übrigens keine einschränkenden Attribute, die ihn abwerten könnten. Er gilt der Bibel offenbar als vollkommener Mensch.

Anerkennenswerterweise muss man sagen, dass in der evangelischen – im Gegensatz zur katholischen – Kirche die Gleichberechtigung und Wertschätzung der Frau am weitesten gediehen ist. Und zwar dank einer aufgeklärten Gesellschaft, wohl kaum aufgrund der Botschaft der Bibel.

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März 11, 2013 Posted by | Aktuell, Eigene Artikel | | 7 Kommentare

Offener Brief der säkularen Humanisten Rhein-Neckar an Frau Käßmann

von  Reinhold Schlotz

 

Liebe Frau Käßmann,

heute treten Sie ihr Amt als „Lutherbotschafterin“ für das 500-jährige Reformationsjubiläum 2017 an, um mit „Herzen, Mund und Händen“, „Sprache und Geist Martin Luthers fromm, fröhlich, frisch und frei in den Alltag zu übersetzen“ mit dem Ziel „ein Feuer der Begeisterung für dieses einmalige Ereignis“ bei uns und international „zu entzünden“. Sie vertreten hier einen bedeutenden Deutschen, der sich mutig und unter Gefahr seines Lebens vor 500 Jahren gegen den Ablaßhandel der katholischen Kirche eingesetzt, dadurch die Reformation in Gang gesetzt und später mit der Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung geleistet hat. Sie setzen sich aber auch ein für einen Mann, der die „Freyheith eines Christenmenschen“ eben nur als Freiheit eines Christenmenschen verstand und in den Anhängern des jüdischen Glaubens ein von Gott „verdammtes Volk“ erblickte. Es war Martin Luther, der in seinem Buch „Von den Jüden und iren Lügen“ (1543) seinen treuen Rat gab, wie mit den Juden umzugehen sei: er ruft u.a. auf zum Niederbrennen ihrer Synagogen, sie unter ein Dach oder Stall zu tun, ihnen ihre Religion zu verbieten, ihren Besitz abzunehmen und die jungen Juden und Jüdinnen zur Arbeit zu zwingen. Der heidelberger Philosoph Karl Jaspers schreibt 1962 hierzu (1): „Luthers … Ratschläge gegen die Juden (die Hitler genau ausgeführt hat)“ und weist darauf hin, dass Luthers „treuer Rat“ in der Zeit des Nationalsozialismus in seinem Sinne Punkt für Punkt umgesetzt wurde.
Liebe Frau Käßmann, sie wollen „immer wieder fragen: Wie steht es um die Gerechtigkeit – in unserem Land, auf der Welt?“ Vergessen Sie bitte nicht, dass zur Gerechtigkeit in unserem Land auch die historische Wahrheit gehört. Es ist sicherlich schwer für Sie, ihren eigenen Kirchenvater als Judenhasser und geistigen Brandstifter zu erkennen und als solchen öffentlich zu benennen. Dennoch soll dies ein Appell an Sie sein, den ganzen, und nicht nur den zensierten Luther in der Öffentlichkeit darzustellen und ihre Einschätzung, Feierlichkeiten zu Ehren Martin Luthers seien eine „Erinnerung für die Zukunft“, zu überdenken. Sie sagen: „Martin Luther ist Vorbild für uns heute, aus dem Glauben heraus, Standpunkte zu finden“. Wenn Sie aus Luthers Lebenswerk eine Gesamtbilanz ziehen, dann gehört neben der Reformation und der Bibelübersetzung eben auch sein Verrat an den Bauern, seine Befürwortung der Hexenverfolgungen, seine menschenverachtende Einstellung zu Behinderten und, nicht zuletzt, sein abgrundtiefer und folgenschwerer Hass gegen die Juden mit hinein. Auch der Dreißigjährige Krieg als Folge der Reformation darf hier nicht vergessen werden. Martin Luther als ein Vorbild für uns heute darzustellen, wäre in der Tat ein fatales Signal für die Zukunft. In Luthers eigener Sprache kann das Gesamturteil über ihn nur lauten: Summa, wir haben einen rechten Teufel an ihm!

(1) Karl Jaspers, Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung, Piper Verlag München 1962, S. 90
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Siehe hierzu:

EKD Pressemitteilung
http://www.ekd.de/presse/pm170_2011_lutherbotschafterin.html

Erklärung von Margot Käßmann
http://www.ekd.de/download/2010708_statement_kaessmann.pdf

Erklärung von Präses Nikolaus Schneider
http://www.ekd.de/download/2010708_statement_schneider.pdf

 

April 28, 2012 Posted by | Aktuell | | 1 Kommentar

Käßmann wirbt in katholischem Dom für Geburtenkontrolle

Drei Monate nahm sie eine Auszeit – jetzt meldet sich Margot Käßmann zurück. Ausgerechnet in der katholischen Münchner Frauenkirche lobte die evangelische Ex-Bischöfin die Pille als „Geschenk Gottes“. Und äußerte Verständnis für Menschen, die sich gegen ein Leben mit Kindern entscheiden.

im weiterlesen Originalartikel

Mai 14, 2010 Posted by | Presse | | Hinterlasse einen Kommentar

Käßmann nimmt Auszeit an US-Uni

Die ehemalige Bischöfin Margot Käßmann nimmt ein Auslandsemester in den Südstaaten der USA. Als Dozentin wird sie ab August bis zum Jahresende an der Emory University in Atlanta unterrichten. Ein Mitdozent im kommenden Herbst: der Dalai Lama.

weiterlesen im Originalartikel

April 24, 2010 Posted by | Eigene Artikel, Presse | | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Becker

mit seine satirische Gedanken über Margot Käsmann und der Kölner Politik

Februar 26, 2010 Posted by | Eigene Artikel, Veranstaltungen, Videos | , | Hinterlasse einen Kommentar