gbs Köln

neue gbs-Briefmarke

gbs_Briefmarke

Advertisements

Juli 15, 2015 Posted by | Eigene Artikel | | Hinterlasse einen Kommentar

Die GBS feiert mit Wissenschaft, Philosophie und Kunst

BERLIN. (hpd) Nach zehn erfolgreichen Jahren war es an der Zeit, dass die Giordano Bruno Stiftung (GBS) sich selbst feiert. Ein Festakt in der Neuen Nationalbibliothek in Frankfurt bot dazu den würdigen Rahmen.

Von überall her waren sie trotz Bahnstreik, überfüllten Fernbussen sowie verstopften Autobahnen und Straßen angereist: Beiräte, Unterstützer, Mitstreiter und Mitglieder der GBS. Nur sehr selten sieht man eine solche Mischung aus Menschen so vieler verschiedener Gruppen. Ob Professor oder Student, ob Arbeiter oder Angestellter; sie alle einen die Ideen, für die die GBS steht: Aufklärung und evolutionärer Humanismus.

Um eben diesen evolutionären Humanismus, der am Beginn der “GBS-Zeitrechnung” mit dem Buch von Michael Schmidt-Salomon wieder in das gesellschaftliche Bewusstsein kam, befasste sich der neue Film von Ricarda Hinz. Die zehn Jahre der GBS in 45 Minuten darzustellen: ein fast unmögliches Unterfangen, das der Regisseurin aber trotzdem gelang.

Erzählt wird die Geschichte des evolutionären Humanismus – von Julian Huxley bis zu diesem Tag in Frankfurt. Nicht chronologisch, sondern anhand oft ausdrucksstarker Bilder wird die Geschichte der Kampagnen erzählt, die die GBS im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens bekannt gemacht haben. Hauptdarsteller sind ebenso die Prügelnonne als auch der Moses mit dem elften Gebot. Hauptdarsteller sind aber auch die vielen Aktiven, die in den vergangenen Jahren ihre Zeit und ihr Wissen einbrachten. Und vor allem – auch wenn sie nicht alle zu sehen waren – es sind die weit mehr als 6.000 Fördermitglieder, die vor Ort fast überall in Deutschland tätig sind und Hervorragendes leisten.

 

 

 

weiterlesen:

http://hpd.de/artikel/10486

November 11, 2014 Posted by | Presse | | 3 Kommentare

Zum 80. Geburtstag von Herbert Steffen

herbert_steffenOBERWESEL. (hpd/gbs) Nur wenige haben sich so große Verdienste um die Verbreitung des humanistisch-aufklärerischen Gedankenguts erworben wie er: Am heutigen Samstag wird Herbert Steffen, der Gründer der Giordano-Bruno-Stiftung und langjährige Mäzen des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner, 80 Jahre alt.

Zunächst hatte es nicht so ausgesehen, als ob Steffen zu einem Förderer des Säkularismus werden würde. Aufgewachsen in einem kleinen Hunsrückdorf glaubte er zunächst bedingungslos an die „Heilige Katholische Kirche“. Inbrünstig betete er immer wieder zur Mutter Gottes, sie möge ihm den rechten Weg weisen. Er sei ein lupenreiner katholischer Fundamentalist gewesen, sagt Steffen heute: „Hätte mir jemand gesagt, ich solle einen Sprengstoffgürtel umschnallen, um so dem Werk des Herrn zu dienen – ich fürchte, ich hätte es getan!“

Nach dem Abitur studierte Herbert Steffen Betriebswirtschaft in Köln. 1969 übernahm der Diplom-Kaufmann die Geschäftsführung der Firma Steffen Möbel, die er von einem kleinen mittelständischen Betrieb zu einem der leistungsfähigsten Anbieter von Schlafraummöbeln in Deutschland ausbaute. 1973 führte er als erster Unternehmer in seiner Branche eine betriebliche Gewinnbeteiligung für Mitarbeiter ein.

Schon in dieser Zeit begann sich Herbert Steffen mehr und mehr von seinem katholischen Glauben zu befreien. Er las Buch um Buch. Ein schmerzhafter Ablösungsprozess. Allmählich ging ihm auf, „dass die Wurzeln unseres Glaubens fingiert sind, dass es wirklich keinen Gott gibt, jedenfalls kein Geistwesen, das sprechen und hören kann, kein ordnendes Wesen hinter dem Universum“. Er sei erst dann „richtig Mensch geworden“, sagte er in einem Anfang der Neunziger Jahre erschienenen Interview, „als ich erkannt hatte, dass meine Konfliktsituation künstlich herbeigezaubert worden war von der Kirche. Das hat mich plötzlich frei gemacht.“

Nach dem Ausscheiden aus der Firma Steffen Möbel intensivierte sich der Kontakt zu Karlheinz Deschner, den Steffen seit Anfang der Neunziger Jahre unterstützte. Doch dieses wichtige Mäzenatentum allein genügte Herbert Steffen nicht. Gemeinsam mit dem Philosophen Michael Schmidt-Salomon entstand schließlich das Konzept für die Giordano-Bruno-Stiftung, die im Frühjahr 2004 gegründet wurde.

Ohne Steffens großzügige Hilfe wäre Deschners „Kriminalgeschichte des Christentums“ niemals vollendet worden. Ebenso sicher ist, dass die säkulare Szene ohne ihn und seine Aktivitäten – neben der Giordano-Bruno-Stiftung zählte Steffen auch zu den Mitbegründern des hpd – weit schlechter dastehen würde, als sie sich gegenwärtig präsentiert.

Von tiefen Dankbarkeitsbezeugungen rät Steffen indessen ab: „Ich habe das doch in allererster Linie für mich selbst getan! In den letzten Jahren durfte ich ungeheuer viele kluge, interessante, kreative Menschen kennenlernen. Es macht einfach einen Heidenspaß, daran mitzuwirken, dass sich die Dinge bewegen! Dieses Gefühl ist schlichtweg unbezahlbar!“

 

Michael Schmidt-Salomon

 

 

 

Originalartikel:

https://hpd.de/artikel/10329

Oktober 20, 2014 Posted by | Presse | | Hinterlasse einen Kommentar

Fünf Jahre gbs Köln

gbsköln_MT_2013-12_02

 

 

Einen ereignisreichen Start in den Dezember ereilte die Re­gio­­nal­gruppe Köln im gerade vergangenen Jahr 2013, wobei ihr das plane­rische und organisatorische Zutun diesmal zum größten Teil von anderen abge­nom­men wurde. Und auch ein Jubiläum galt es zu feiern: seit fünf Jahren gibt es nun die Regionalgruppe Köln der Giordano-Bruno-Stiftung.

Monatstreffen gbsköln  12/2013            Foto: © Frank Meyer

Doch zunächst kurz zu den dieser Feierlichkeit vorausgegangenen Veranstaltungen:

„Ein Unglück kommt selten allein!“, heißt es, wobei ‚selten‘ nicht näher definiert, und höchster Wahrschein­lich­keit nach ohnehin Aus­druck selektiver Wahrneh­mung ist. Aber: gilt diese Aussage auch für Glück, das ebenfalls selten allein komme? Oder kommt Letzteres – wenn überhaupt – dann doch eher ganz und gar allein, zumindest meistens – oder so ähnlich? „Man weiß es nicht!“ würde vermutlich Dieter Nuhr sagen.

Wie dem auch sei:  Köln (und Umgebung) ereilte das diesmal singuläre Unglück, dass gleich dreifaches Glück auf den Ort und die hiesige Regionalgruppe zukam, wobei – nun ja – das  ‚Glück‘ als wertende Bezeichnung in diesen Fällen vermutlich individuell  verschieden gesehen werden mag. Und das Unglück bestand einzig und allein in der Qual der Wahl. Der Zufall also wollte es, dass am – jeden Zahlenfetischisten begeisternden – 11.12.13 gleich drei Veranstaltungen mit gbs-Beteiligung an einem Tag und an (quasi) einem Ort, zwei in Köln und eine in Düsseldorf (ja nun, quasi… Köln-Nord) etwa zeitgleich stattfanden.

Ingrid Matthäus-Maier war vom DGB eingeladen worden, um zusammen mit Volker Beck, Lale Akgün und Wolfgang Uellenberg-van Dawen über das kirchliche Arbeitsrecht zu diskutieren.

Carsten Frerk wiederum war vom Kölner Stadt-Anzeiger ins studio dumont gebeten worden, um mit Manfred Kock (ehem. Ratsvorsitzender der EKD), Sven Lehmann (Landesvors. NRW Bündnis90/Die Grünen) und Andreas Püttmann (katholischer Publizist) über das Vermögen der Kirchen zu streiten.

Letztere Veranstaltung wurde live im Deutschlandfunk übertragen, und so konnte wer wollte diese auf dem Weg nach Düsseldorf verfolgen, wo auf Einladung des Düsseldorfer Aufklärungsdienstes (Regionalgruppe Düsseldorf) eine Stunde später Rolf Bergmeier über sein Buch „Schatten über Europa“ referierte.

Diese Termindichte war, wie gesagt, Zufall und keineswegs hausgemacht, jedoch zeigt sich hier in Ansätzen (ohne dies überbewerten zu wollen), dass die „Stimme der gbs“ bisweilen verstärkt, und insgesamt vermehrt „von außen“ wahrgenommen wird, auch wenn es in den Fällen der Podiums­dis­kussionen um eher begrenzte wirtschaftliche und rechtliche Fragen ging, die nicht zuletzt aktuellen Ereignissen geschuldet waren aber doch so wichtig sind (Tebartz-van Elst sollte Ehrenfördermitglied der gbs werden!).

Eröffnet wurde das monatliche Treiben mit dem inzwischen ‚beinahe schon zur Tradition‘ gewordenen Humanistischen Forum Köln (HFK), einer offenen Gesprächsrunde der gbs Köln zusammen mit dem IBKA- Ketzerstammtisch, der GWUP Köln und dem HVD Köln (auch der Hochschulgruppe Köln der gbs), jeweils an jedem ersten Freitag des Monats im „Atrium“ in der Nähe des Hauptbahnhofs. Friedhelm Mandt (gbs Köln) hielt dort einen kleinen Vortrag über die „Kritik an Paul Feyerabends Philosophie der Beliebigkeit“. Dieses Impulsreferat lockte die Gesprächsrunde kompetent aus der Reserve und ließ die Teilnehmer und Teilnehmerinnen in angeregten Diskussionen den Abend beschließen.

Jub_2Jub_3

               Fotos der  Jubiläumsfeier

 

Das Gründungstreffen der gbs-Regionalgruppe Köln, damals noch Köln-Bonn-Düsseldorf, fand am 17.10.2008 in einem Kölner Restaurant statt. Sie war die vergrößerte Fortsetzung der ur­sprüng­lichen in Bonn Anfang 2007 gegründeten Regionalgruppe. Erste Aktivistin und letztlich damit Gründerin der Regionalgruppe ist Constanze Cremer. Der zu vermutenden memetisch bedingt grö­ßeren Feierlaune im Dezember geschuldet fand diesjährig mit zweimonatiger Verspätung im An­schluss an ein Monatstreffen in der dortigen, schon fast zum „gbs-Köln-Stammsitz“ mutier­ten ‚Hochschule für Musik‘ eine kleine Feier statt, mit der das kleine Jubiläum Fünf Jahre gbs Köln begangen wurde. Trotz vielerlei Verhinderungen aktiver Mitglieder hatten sich mehr als 30 Personen zusammengefunden – und auch ein paar Düsseldorfer stießen hinzu: schließlich waren sie ja ursprünglich mit dabei, bevor das Schicksal uns ein Schisma bescherte, und Köln und Düsseldorf seit dem getrennte Wege gehen. Bonn ist der Einfachheit halber (nur bezüglich der pragmatischen Namensgebung!) in Köln aufgegangen, die Düsseldorfer feierten gerade ihr dreijähriges Jubiläum. Und im Gegensatz zu manch anderem historischen Vorbild bleibt es zwischen beiden Gruppen bei enger Freundschaft und guter Zusammenarbeit. Allein die Frage, wer nun Avignon, wer Rom ist, muss noch geklärt werden.

Fünf Jahre sind Anlass genug, um eine kleine Rückschau zu wagen und eine Art Zwischen­bilanz zu versuchen. Sicherlich wäre ein außenstehender Beobachter geeigneter, Letzteres zu tun, allein diesem würde sich das gleiche Problem wie dem Insider stellen: woran messen? Und in Ermangelung dieser neutralen Instanz läuft es darauf hinaus, letztere erst gar nicht vortäuschen zu wollen, sondern mit hedonistischer Freude das bisher Erreichte zu bestaunen, nicht ohne aber den Skeptiker zuzulassen, der die nötigen Anstöße für die Zukunft zu geben vermag.

Angefangen mit ein paar Aufrechten hat sich die Reihe derer, die zumindest einmal bei einem organisatorischen Monatstreffen vorbeigeschaut haben, auf ungefähr 130 erhöht. Etwa ein Viertel von diesen ist nicht wiedergekommen, einige haben sich, wie oben beschrieben, ganz nach Düsseldorf ‚abgesetzt‘, oder sind weggezogen, andere wiederum sind einige Male oder gar über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig erschienen, waren vielleicht auch eine Zeit lang richtig aktiv dabei, haben sich aber aus unterschiedlichen (meist persönlichen) Gründen wieder weitgehend oder ganz zurückgezogen. Die Zahl der Aktiven liegt z. Z. um die 40. Allerdings bleiben die allermeisten auf unserer Email-Liste, wollen also zumindest über Veranstaltungen informiert werden oder gar teilhaben an dem, was darüber hinaus noch an Informationen ausgetauscht wird.

So manche die gekommen waren, hatten sich (vermutlich, oder sinngemäß höchst selbst geäußert) an organisatorischer Arbeit mit Tagesordnung gestört, andere vielleicht an der grundsätzlichen Ausrichtung?!

Dem Rechnung tragend ist zusammen mit dem Ketzerstammtisch der IBKAnesen das Humanistische Forum Köln (+ GWUP und HVD, s.o.) eingeführt worden, einem offenen säkular-humanistischen Gesprächskreis, und tatsächlich verteilen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die beiden „Formate“, bei einer allerdings großen Schnittmenge. Zwei regelmäßige Termine im Monat, dazu weitere Veranstaltungstermine, sind insgesamt allerdings auch schon recht viel.

Traumatisierte Pfarrerstochter

Auch tauchte auf solch einem Monatstreffen einmal eine nach eigenen Angaben ob ihres Elternhauses traumatisierte Pfarrerstochter auf, suchte bei uns eher den (therapeutischen) Gesprächskreis, den wir ihr nicht bieten konnten, und kam auch nie wieder; ihren Namen wollte sie uns nicht verraten. Parteigründungsambitionierte, Querulanten – auch das haben wir „überlebt“, sehr gut sogar.

Nachdem zu Beginn der „Historie“ die Vortragsveranstaltungen aus den eigenen Reihen bestritten wurden, konnten immer wieder Gastreferenten gewonnen werden, desweiteren wurden Podiumsdiskussionen und Informationsveranstaltungen mit Stand in Fußgängerzonen durchgeführt, auch z.B. eine Anfrage beim und Gespräche im Ministerium bzgl. des Islamunterrichts an Schulen in NRW und vieles mehr runden die Formen der verschiedenen Aktivitäten ab.

Eine weitere Aktion ist das jährlich stattfindende Wochenendseminar in einem kleinen Hotel („Bergische Schweiz“) im Bergischen Land in der Nähe von Köln mit Referaten, Diskussionen, Gastreferenten und gemütlichem Beisammensein am offenen Kamin.

Über die Website hinaus verfügen wir auch über einen eigenen Blog, der immer aktuell die wichtigsten Informationen, Artikel, Videos und vieles mehr präsentiert.

Nun sind wir erst einmal froh über das bisher Erreichte. Jeden Monat kommen zwei bis fünf neue Interessierte zu unseren Treffen. Die „Stimmung“ ist im Allgemeinen gut bis sehr gut.

Zu den in „unseren Kreisen“ bekanntesten Gastreferenten gehörten Persönlichkeiten wie Franz Wuketits, Sabine Paul, Mina Ahadi, Heinz-Werner Kubitza, David Berger, Hamed Abdel-Samad, Michael Schmidt-Salomon (mit und ohne Lea), auch Ingrid Matthäus-Maier (gehört ja schließlich zu „uns“), sogar Norbert Blüm als Diskussionspartner von Peter Henkel, der uns außerdem zweimal beehrte, und andere mehr.

Weitere Veranstaltungen sind in Planung, nicht zuletzt die internationale Jubiläums­ver­anstal­tung des Zentralrats der Ex-Muslime.

Rückschau und Ausblick

Wie aber war der Besuch der einzelnen Veranstaltungen, was und wen haben wir erreicht?

Nun, die Besucherzahl schwankte zwischen enttäuschend und ansehnlich. Zwar spielt die Popularität von Personen auch hier die größere Rolle vor Inhalten, wohl auch Wetter und Wochentag, aber das allein, das konnten wir ausmachen, war nicht so entscheidend wie die nötige örtliche Werbung. Plakataktionen sind sehr teuer, dank eines großzügigen Sponsors konnten wir einmal davon profitieren und hätten den Saal für Hamed Abdel-Samad zweimal füllen können. Den besten Besuch konnten Michael und Lea (mit dem „Butterkeks“) für sich verbuchen, eine Veranstaltung im Kammermusiksaal der Hochschule für Musik Köln, welche mit einem kleinen Konzert eröffnet wurde.

Bei allen Veranstaltungen war zu konstatieren: trotz Pressemitteilungen an alle relevanten Organe in Köln und Umgebung, trotz teilweise auch persönlicher Ansprache: von der hiesigen Presse schaute niemand vorbei, geschweige denn, dass ein Vorbericht zur Veranstaltung publiziert worden wäre.

Dies dürfte die größte Hürde sein, die es zu nehmen gilt. In einer Millionenstadt wie Köln sind  mit großer Sicherheit viel mehr Menschen an unserer Arbeit und unseren Veranstaltungen interessiert – es ist nur ungemein schwer, diese informatorisch zu erreichen. Nun haben sich kleine neue Pfade aufgetan, wir wollen sehen, ob sich da etwas zuwege bringen lässt, um das „Schweigen der Presselämmer“ bezüglich der gbs zu brechen. Wir sind einfach mal optimistisch.

Aus einem anderen, skeptischen Blickwinkel betrachtet bleibt zu konstatieren: umwerfend viel haben wir freilich nicht erreicht. Aber sogleich ergibt sich wiederum die Frage des Maßstabes, welche sich allerdings kaum beantworten lässt. Also sehen wir es doch lieber positiv: das Glas ist halbvoll, Punkt! Dass noch viel ins Gefäß hineinpasst, soll Ansporn für weitere Taten sein. Es ist halt das berühmte Bohren dicker Bretter. Und so machen kleine Erfolge immer wieder Mut, diesen Weg weiter zu gehen.

Als besondere Erschwernis kommt speziell für unsere Regionalgruppe hinzu, dass sie innerhalb einer Umgebung tätig ist, welche nach außen hin zwar gerne das Bild einer weltoffenen und liberalen Stadt von sich zeichnen lässt, in deren inneren Gefüge aber doch die Strukturen katholischer Strippenzieher wirkmächtig sind – manchmal offen erkennbar, manchmal nur durch die zu beobachtende Schere im Kopf zu verstehen. Insofern befinden wir uns ja hier quasi im Zentrum des deutschen Katholizismus.

Die Giordano-Bruno-Stiftung als Ganzes hat sicherlich schon eine ganze Menge erreicht; gerade in den Diskussionen der letzten Wochen und Monate wird dies deutlich, auch wenn medial fast nie darauf verwiesen wird. Die Regionalgruppen als Bestandteil des Ganzen leisten mit ihrer Arbeit vor Ort die notwendige Zuarbeit in der Breite, bis eines Tages durch die Präsenz der gbs in den Köpfen vieler auch die Presse in Köln nicht mehr über uns hinweg schauen kann, vor allem nicht an den Inhalten.

Wenn man aber bedenkt, dass alle Arbeit, die von der (einer) Regionalgruppe getan wird, ausschließlich ehrenamtlich im mehr oder weniger beruflichen und familiären Nebenbei geschieht, keine Sekretärin zur Verfügung steht und schon gar nicht auf einen professionell organisatorischen und propagandistischen Apparat zurückgegriffen werden kann, wie es gewisse andere Institutionen zu tun vermögen, letztere mit vergleichsweise immensen finanziellen Mitteln auf ihrer Seite und mit über große Zeiträume hinweg sich verfestigt habenden gesellschaftspolitischen Strukturen, mit tief verwurzelten Memplexen usw., angesichts dieses Gegenübers können wir mit Sicht auf diese Relation doch wiederum einigermaßen selbstbewusst unser aller Engagement eben als (relativ) erfolgreich ansehen. Viele Ideen haben einmal klein angefangen, bald 10 Jahre gbs und jetzt 5 Jahre gbs Köln sind gemessen an den historischen Zeiträumen eher kurz…

Über die Pflege des „Markenzeichens“ hinaus

Aber das hier dargestellte Gegenüber als das der Kirchen und Religionen läuft Gefahr, als alleiniger Inhalt zu kurz gegriffen zu sein. Es sollte uns nicht vergessen lassen, dass (evolutionärer) Humanismus mehr ist als das Infragestellen von Religionen und ihren Institutionen und der zugehörigen Schamanenkaste samt deren politischer Einflussnahme, auch wenn die Religionskritik das medial wahrgenommene „Markenzeichen“ der gbs ist. Diese Aspekte sind fraglos wichtig und auch aktuell nötig, wie es z.B. auch der neue Koalitionsvertrag der sogenannten GroKo zeigt. Und daher gilt es selbstverständlich auch, in diesem Punkte nicht nachzulassen, denn es gibt keinen Grund, uns in Anbetracht der aktuellen Lage zurück­zu­leh­nen. Und wenn wir über den mitteleuropäischen Tellerrand schauen schon gar nicht.

Diesbezüglich wachrüttelnd war die Reaktion von Mina Ahadi auf einem unserer letzten Monatstreffen, als wir über gewisse intellektuelle Defizite und vor allem einen recht anmaßenden Satz Norbert Blüms („Nichtglauben ist Versagen“) diskutierten: „Diese Probleme hätten wir gerne…“

Ohne hier eine Grundsatzdebatte führen zu wollen, möchte ich jedoch noch einmal aufgreifen, was – auch innerhalb unsere Gruppe – öfters angeregt worden ist, dass inhaltliche Arbeit und die dementsprechende Ausrichtung sich weiter öffnen sollte in Richtung umfassender Bildung, die möglichst breit und vielschichtig angelegt ist. Nicht umsonst ist ein Motto der gbs: „Wer sich um Wissenschaft, Kunst und Philosophie bemüht, braucht keine Religion.“ Da kann man nur sagen: „Lasset uns dies also (weiterhin) tun!“

Religionskritik ist nur ein „Abfallprodukt“ umfassender Bildung, und davon ist die Kritik an deren Institutionen und Vertretern in komischen Gewändern wiederum ein weiter untergeordnetes „Abfallprodukt“. Letzteres geht leicht von der Hand (siehe Kritik an TvE). Aber gerade dieses machen andere auch schon. Insofern sollten wir auch bei der Wahl unserer Veranstaltungen, respektive deren Referenten und Referentinnen, ein breiteres Spektrum anpeilen: in der oben beschriebenen Richtung. Da aber die Interessenlage und „Kontakttiefe“ mit den verschie­densten Gebieten recht unterschiedlich ist, erscheint dies u.U. recht kompliziert zu werden. Es läuft auf einen schwer zu bewältigenden Spagat zwischen Unverständlichkeit auf der einen und (oder) Oberflächlichkeit auf der anderen Seite hinaus, wobei das Volks­hoch­schul­niveau ver­dächtig nahe rückt, wenn man nicht aufpasst. Trotzdem sollte man m.E. diesen Spagat wagen und allen Beteiligten Offenheit und auch Geduld nahelegen.

Das heißt also zweigeleisig denken:

è    erste Schiene:  öffentlichkeitswirksamere Veranstaltungen, zum einen mit dem Markenkern Religionskritik als Grundlage, zum anderen ggf. auch wissenschaftliche, künstlerische, philosophische Themen, die allenfalls mittelbar etwas mit Religion resp. Religionskritik zu tun haben müssen, durchgeführt mittels Vortragsveranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Lesungen, öffentliche Informationsstände, warum nicht auch Konzerte, Ausstellungen etc.

è    zweite Schiene:  interne Veranstaltungen, die der Bereicherung der Gruppe dienen und i.d.R. aus dieser selbst heraus gestaltet werden, inhaltlich wie die oben dargestellte Alternative, ohne aber zwingend eine breite Resonanz anstreben zu wollen.

Um dies reibungsloser umsetzen zu können, planen wir innerhalb der gbs Köln eine strukturelle Veränderung, die dem dreiköpfigen Vorstand ein Beisitzergremium zur Seite stellt, um auf diese Weise die vielfältigen organisatorischen Aufgaben verantwortlich auf weitere Schultern verteilen zu können. Ganz flache „Hierarchie“ soll dabei ebenso erhalten bleiben wie auch Offenheit gegenüber jedem, der sich konstruktiv einbringen will. Das Element der Freiwilligkeit und des Ehrenamtes kann gegenüber pekuniär gesteuerter Professionalität durchaus ein Trumpf sein, da sich um Fleischtöpfe herum auch gerne diejenigen scharen, die einfach nur Hunger haben und nach eigener Sättigung wieder das Weite suchen.

Vielleicht vermögen die vier Punkte:

         Intensivierung der Pressekontakte,

         breitere thematische Aufstellung,

         Einbeziehung eines größeren Personenkreises in die organisatorischen Abläufe und

         Ansprechpartner zu sein bezüglich aktueller Probleme innerhalb unserer „Ausrichtung“ (Schulpolitik, rechtliche Fragen, gesellschaftspolitische Fragen, medizinische Fragen etc.) mit Kompetenzverteilung, auch um schnell reagieren zu können,

helfen, die dicken Bretter doch schneller durchbohren zu können, als man es erwartet. Letztlich sind gerade diese Bretter, die wir vornehmlich bearbeiten, als solche immerhin nur ‚Bretter vor den Köpfen‘. Und die können doch einfach gar nicht so dick sein, oder etwa doch…?!

Die letzten vorgetragenen Gedanken sind spezifisch auf die gbs Köln hin ausgerichtete strategische Überlegungen. Jede Regionalgruppe fährt naturgemäß ihren eigenen Stil und hatihre individuelle Struktur. Vielleicht aber mögen diese für die eine oder andere Gruppe eine kleine Anregung sein.

Nun ist die eingangs erwähnte Termindichte von Veranstaltungen mit gbs-Beteiligung in Köln wie gesagt nicht auf dem Mist der Regionalgruppe gewachsen. Aber es bleibt festzuhalten: Es tut sich etwas!

Nehmen wir dies als Beispiel: Sowohl Ingrid Matthäus-Maier, als auch Carsten Frerk hatten wir in Köln zu Veranstaltungen eingeladen, ohne dass von der per Presse­mittei­lung (und mittels persönlichem Gespräch mit führenden Vertretern) informierten Presse eine Reaktion erfolgt wäre.

Jetzt hat ausgerechnet der Chefkorrespondent (ein katholischer Theologe) des hiesigen „L’Osservatore Coloniese“, bürgerlich auch „Kölner Stadt-Anzeiger“ genannt, tatsächlich Carsten Frerk zu einer Diskussion hinzu gebeten. Das heißt also: man kommt inzwischen nicht mehr „an uns“ vorbei. Die Bretter haben offensichtlich schon eine ganze Reihe von Spänen verloren.

Bohren wir also weiter! Es lohnt sich sehr wohl.

Burkhard Wepner

Fotos: © Ricarda Hinz, Frank Meyer, Constanze Cremer, Burkhard Wepner

Beitrag zuerst erschienen beim hpd:

http://hpd.de/node/17511

Januar 19, 2014 Posted by | Eigene Artikel | | 3 Kommentare

Philipp Möller bei Aeschbacher – Giordano-Bruno-Stiftung (gbs)

Januar 19, 2014 Posted by | Videos | | 2 Kommentare

Der Ton wird rauer

Warum die Kritiker der gbs immer häufiger zu Diffamierungsstrategien greifen

Viel Feind‘, viel Ehr‘, heißt es. Tatsächlich lässt sich der Erfolg einer neuen sozialen Organisation daran bemessen, zu welchen Diffamierungsstrategien sich ihre Kritiker genötigt sehen. Insofern sind die massiven Angriffe, denen die Giordano-Bruno-Stiftung derzeit ausgesetzt ist, auch als Zeichen dafür zu betrachten, dass die Positionen, die die Stiftung vertritt, mehr und mehr Zustimmung in der Bevölkerung finden. Ein Kommentar von Michael Schmidt-Salomon.

Im letzten Jahrzehnt hat in vielen Ländern der Welt ein historisch einzigartiger Säkularisierungsschub stattgefunden, der allmählich auch auf politischer Ebene Wirkungen zeigt. So haben amerikanische Sozialforscher herausgefunden, dass  Barack Obama seine Wiederwahl zum Präsidenten nicht zuletzt den religionsfreien Menschen (der am schnellsten wachsenden weltanschaulichen Gruppe in den USA – jeder vierte Obama-Wähler zählt dazu!) verdankt. Ausgehend von ihren Analysen prognostizieren Wahlforscher für die nähere Zukunft, dass die amerikanischen Säkularisten auf die Politik der Demokraten einen ähnlich großen Einfluss haben werden wie die Evangelikalen auf die Politik der Republikaner.

Noch stärker als in den USA fiel der Säkularisierungsschub in Deutschland aus. Eine stabile Mehrheit der deutschen Bevölkerung führt heute ein Leben frei von religiösen Dogmen und bezieht in ethischen Fragestellungen Positionen, die deutlich von traditionellen Glaubensvorstellungen abweichen. Dies wurde u.a. am vergangenen Montag im Rahmen der „hart aber fair“-Sendung zur Sterbehilfe mit gbs- und hpd-Fördermitglied Dr. Uwe-Christian Arnold wieder deutlich, sprachen sich doch über 90 Prozent der Website-Besucher für das Recht des Menschen auf ein selbstbestimmtes Sterben aus. Kein Wunder, dass es Bruder Paulus Terwitte, der als Vertreter der Kirche zur Sendung eingeladen war, angesichts des verlorenen Postens, auf dem er sich befand („Das Leiden gehört zum Leben und Gott bestimmt, wann das Leben endet)“, ein wenig fröstelte.

Mittlerweile spiegelt sich die veränderte Sichtweise der Bevölkerung, die es nicht mehr hinnimmt, dass religiösen Gruppen verfassungswidrige Sonderrechte eingeräumt werden, auch in entsprechenden Gerichtsurteilen wider. In diesem Zusammenhang ist nicht nur das berühmte Beschneidungsurteil des Landgerichts Köln zu erwähnen, sondern auch die am gestrigen Dienstag veröffentlichte Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts, das das generelle Streikverbot in kirchlichen Unternehmen aufhob – ein wichtiger Schritt im Kampf für die Gewährung von Grundrechten in religiösen Institutionen.

Im Fadenkreuz: Die gbs als Akteur des säkularen Wandels

Selbstverständlich sind all diese Veränderungen nicht in erster Linie auf die Aktivitäten der Giordano-Bruno-Stiftung zurückzuführen (wenn überhaupt, hatte die Stiftung nur einen bescheidenen Anteil daran), aber in den Medien und in der Politik wird sie zunehmend als entscheidender Akteur dieses säkularen Wandels wahrgenommen – und entsprechend attackiert. Galt die Stiftung lange Zeit als Institution einer gesellschaftlichen Randgruppe, die man nicht sonderlich ernstnehmen müsse, wird sie nun mehr und mehr stilisiert zur „treibenden Kraft einer säkularen Mehrheit“, die angeblich „in aggressiver Weise die Rechte religiöser Minderheiten beschneiden möchte“.

Besonders deutlich wurde diese neue Argumentationsfigur im Rahmen der Debatte um die medizinisch nicht indizierte Knabenbeschneidung. In einem höchst tendenziösen Pro-Beschneidungsgutachten des American Jewish Committee (kritisch hierzu siehe u.a. die Stellungnahme des Präsidenten des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Dr. med. Wolfram Hartmann), das an sämtliche Bundestagsabgeordneten versandt wurde, wurden insbesondere der gbs „antisemitische Motive“ unterstellt – wobei die Autoren offenbar nur zu gerne übersahen, dass die gbs-Kinderrechtskampagne nun gerade von jüdischen (!) Beschneidungskritikern angeregt und unterstützt wurde.

In die gleiche Kerbe schlug Micha Brumlik mit einem Kommentar in der TAZ, der versuchte, die gbs und ihre Kinderrechtskampagne mithilfe vermeintlich antisemitischer Äußerungen Giordano Brunos aus dem 16. Jahrhundert zu diffamieren. Ich habe mich bereits in einem ausführlichen Kommentar mit Brumliks Fehldeutungen auseinandergesetzt. Genutzt hat dies aber offenbar wenig, denn in der heutigen TAZ findet sich ein weiterer Brumlik-Kommentar mit ähnlichem Tenor. Zwar hat er nun, wie ich es ihm anriet, zu einer neueren Bruno-Übersetzung gegriffen, doch seine Argumentation ist ebenso schief wie zuvor:

Noch immer reißt Brumlik Bruno-Dialoge aus dem Kontext, noch immer verfälscht er die Bruno-Rezeption in grotesker Weise, indem er den Eindruck vermittelt, es hätten sich vornehmlich Rechtsextremisten auf Bruno berufen, obgleich Bruno in Wahrheit über Jahrhunderte hinweg eine zentrale Identifikationsfigur linker, liberaler und vor allem auch jüdischer Autoren (Fromm, Bloch, Einstein etc.) war. Nicht ohne Grund identifizierte der von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Titel „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnete polnische Literaturnobelpreisträger Czesław Miłosz das Leiden Brunos in seinem berühmten, 1943 im Warschauer Untergrund geschriebenen Gedicht „Campo de‘ Fiori“ mit dem Leiden der jüdischen Menschen seiner Zeit. Diese Bezugnahme wurde und wird weltweit verstanden – nur Micha Brumlik meint, die historischen Tatsachen verdrehen zu müssen, um der gbs größtmöglichen Schaden zuzufügen.

Immerhin: In seinem zweiten TAZ-Kommentar verzichtete Brumlik auf den Vorwurf, die gbs sei antisemitisch und fremdenfeindlich. Vielleicht ist ihm mittlerweile selbst aufgegangen, mit wie vielen jüdischen und proisraelischen Personen und Gruppen die gbs insbesondere im Bereich der Islamkritik zusammenarbeitet und möglicherweise ist ihm auch bewusst geworden, dass es gerade diese Stiftung war, die in Deutschland das Asylrecht für Ex-Muslime erkämpfte und gegen die menschenunwürdigen Bedingungen in Flüchtlingsheimen protestierte.

Übriggeblieben ist von Brumliks Polemik daher nur noch der Vorwurf des „militanten und intoleranten Atheismus“. Brumlik zufolge geht es der Stiftung „weder um Toleranz und Humanität noch um ein respektvolles, aufgeschlossenes und lernbereites Gespräch unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen; auch nicht um einen Dialog, in dem die Gehalte, Reichtümer und Schätze, aber auch Fehler, Verbrechen und Vergehen von Weltanschauungen sensibel, selbstkritisch und respektvoll erörtert werden, sondern um eine weitere ‚Austreibung‘: hier der Religionen aus dem öffentlichen Raum und Diskurs. Giordano Bruno nannte das ‚Spaccio‘. Der von der nach ihm benannten Stiftung vertretene ‚Evolutionäre Humanismus‘ erweist sich am Ende als oberflächliche, naturwissenschaftlich aufgeputzte Schwundstufe einer selbst noch nicht säkularisierten Weltanschauung, die in ihrem Dogmatismus dem religiösen Fundamentalismus der Gegenwart in nichts nachsteht, sondern sein geistiger Bruder ist.“

 

Eine seltsame Allianz von CSU und TAZ

Starker Tobak! Doch wie begründet Brumlik seine Anschuldigungen? Antwort: Er liefert keinerlei Begründungen, sondern setzt den „Wahrheitsgehalt“ seiner Aussagen einfach als gegeben voraus. Woher nimmt er diese Sicherheit? Allem Anschein nach hat Brumlik die letzte Veröffentlichung der Hanns-Seidel-Stiftung (CSU) gelesen – zumindest wirken seine Anschuldigungen wie 1zu1-Kopien der Anwürfe aus dem kirchenfreundlichen Band „Staat und Kirche im 21. Jahrhundert“. Denn selbstverständlich gilt die Giordano-Bruno-Stiftung auch bei den CSU-Autoren als militant atheistisch, intolerant, oberflächlich, einseitig naturwissenschaftlich orientiert und dogmatisch. Aber immerhin weiß man bei ihnen, wie man das politisch einzuordnen hat. Schließlich ist es das Hauptziel ihrer Veröffentlichung, die ins Rutschen geratenen Kirchenprivilegien (etwa die Möglichkeit, homosexuellen Menschen zu kündigen, Angestellte weltanschaulich zu diskriminieren und Streiks zu verhindern) zu sichern. Das erklärt auch, warum sich die CSU-Kirchenapologeten so sehr bemühen, die deutsche Geschichte zu verfälschen, warum sie von einem „gottlosen Nationalsozialismus“ sprechen, obwohl der Atheismus unter den Nazis als Ausdruck einer „jüdisch-bolschewistischen Weltanschauung“ galt, warum sie die katholischen Stimmen zu Hitlers „Ermächtigungsgesetz“ und das zum Teil bis heute gültige „Reichskonkordat“ ebenso verschweigen wie das Herausschleusen von Nazi-Verbrechern über den Vatikan.

Ich frage mich: Was treibt einen liberalen jüdischen Gelehrten wie Micha Brumlik dazu, die interessensbedingten Anschuldigungen ultrakonservativer Kirchenapologeten ungefragt zu übernehmen? Und was, um alles in der Welt, veranlasst eine links-alternative Zeitung wie die TAZ dazu, solch haltlose Vorwürfe gleich zweimal hintereinander zu publizieren? Sind die Kirchenlobbyisten im grün-alternativen Spektrum schon so stark verankert, dass es mittlerweile zum guten Ton gehört, auf säkulare Organisationen einzuschlagen? Wenn ja, werden die Grünen bei der nächsten Wahl wohl ihr blaues Wunder erleben. Denn wie die SPD, die Linken, die FDP und die Piraten sind auch die Bündnis-Grünen auf säkulare Stimmen angewiesen – und zwar weit mehr noch als die Demokraten in den USA.

Was die inhaltliche Ebene der Kritik betrifft, hätte eigentlich schon die Lektüre des kurzen FAQ-Textes „Zehn Fragen – Zehn Antworten“  genügen müssen, um zu erkennen, wie absurd all die Anschuldigungen sind, die von dieser merkwürdigen Allianz von CSU und TAZ erhoben werden: Selbstverständlich ist die gbs nicht „militant“, sie ist nicht einmal „atheistisch“. Der evolutionäre Humanismus der Stiftung stützt sich auch keineswegs allein auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auf eine Kombination von Wissenschaft, Philosophie und Kunst (was auch die interdisziplinäre Zusammensetzung des gbs-Beirats erklärt). Selbstverständlich treten wir entschieden für „Toleranz und Humanität“ ein, aber eben nicht für grenzenlose (repressive) Toleranz gegenüber der Inhumanität. Die Religionen begreifen wir keineswegs als „Feinde“, die man rigoros bekämpfen müsste, sondern vielmehr als „kulturelle Schatzkammern der Menschheit“, die viel Vernünftiges und Menschenfreundliches, aber eben auch Unvernünftiges und Menschenfeindliches enthalten, wobei unsere Aufgabe heute darin besteht, das eine vom anderen zu trennen. Und „dogmatisch“ ist der evolutionäre Humanismus nun ganz sicher nicht, ist er doch eine Weltanschauung „unter Vorbehalt“, ohne Dogmen, Propheten und heilige Schriften. Ja, ich möchte sogar behaupten, dass der evolutionäre Humanismus die wohl erste Weltanschauung ist, die sich nach dem „Prinzip der kritischen Prüfung“ (siehe Hans Alberts „Traktat über kritische Vernunft“) ernsthaft dem Anspruch stellt, sich selbst aufzuheben, wenn sich ihre zentralen Prämissen als falsch erweisen sollten. Weniger Dogmatismus ist kaum möglich! All dies hätte Micha Brumlik, hätte die TAZ wissen können, wissen müssen.

Bedauerlicherweise müssen wir davon ausgehen, dass die gbs in Zukunft wohl noch häufiger auf solch unseriöse Weise attackiert wird, aber das wird uns nicht davon abhalten, weiterhin Klartext zu reden. Eben deshalb haben wir auch Giordano Bruno (neben vielem anderen) als Namensgeber der Stiftung gewählt. Zwar sind wir als humanistische Stiftung überzeugt, dass es besser ist, falsche Ideen sterben zu lassen, bevor Menschen für Ideen sterben müssen, aber das bedeutet nicht, dass man sofort einknicken sollte, wenn der Wind in der weltanschaulichen Debatte etwas heftiger weht. Das Projekt der Aufklärung braucht eben nicht nur kluge Köpfe, sondern auch den Mut zum aufrechten Gang…

 

Quelle:

http://www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/ton-wird-rauer

November 22, 2012 Posted by | Aktuell | | Hinterlasse einen Kommentar

Förderkreis der Giordano-Bruno-Stiftung überschreitet die Mitgliederzahl von 4000

Der Vorstand der Giordano-Bruno-Stiftung teilt mit, dass die Mitgliederzahl des Freundes- und Förderkreises der gbs erstmals die Zahl von 4000 überschritten hat. Das ist ein Zuwachs von über 600 in 7,5 Monaten, aufs Jahr gerechnet wäre das ein Zuwachs von eintausend. Damit ist der Zulauf zur gbs ungebrochen und erheblich größer als bei allen anderen humanistischen Vereinigungen.

Die Zahl der Regionalgruppen liegt derzeit bei 38.

August 13, 2012 Posted by | Aktuell | | Hinterlasse einen Kommentar

Wer geht, hat verloren

Stellungnahme zum Interview mit Adah Gleich vom 16.04.2012 unter dem Titel “Gerade die jungen Leute sind da orientierungslos” bei wissenrockt.de

Ich habe die angesprochenen Auseinandersetzungen im Förderkreis der Giordano-Bruno-Stiftung am Rande mitverfolgt und habe für die Position von Adah Gleich durchaus ein gewisses Verständnis. Ich bedaure ihren Austritt aus dem Förderkreis der gbs, halte allerdings ihre Pauschalurteile über die gbs und deren Vorstand für völlig überzogen. Bei einer Mitgliederzahl von einigen Tausend kann nicht jeder Einzelne auf seine Gesinnung hin überprüft werden. Bei einer solchen Zahl lässt es sich kaum vermeiden, dass da auch Leute dabei sind, die gelinde gesagt eine „merkwürdige Meinung“ zu verschiedenen Dingen haben. Dennoch muss man auch ein gewisses Maß an Toleranz gegenüber anderen Ansichten einräumen. Die Grenze wäre dann überschritten, wenn sich jemand öffentlich in Verbindung mit dem Namen der Stiftung oder innerhalb der gbs, z.B. im internen Forum, rassistisch oder fremdenfeindlich äußern würde. Bei den Personen, um die es hier ging, war dies wohl eher nicht der Fall.

Für das interne Forum des Förderkreises der gbs haben die Moderatoren das Recht, Mitglieder auszuschließen und von diesem Recht wurde auch schon Gebrauch gemacht. Ansonsten macht auch der Vorstand in extremen Fällen von seinen Möglichkeiten Gebrauch. Die Regionalgruppen der gbs arbeiten in Eigenverantwortung. Einige sind als eingetragene Vereine organisiert. Sie können jederzeit Mitglieder ausschließen. In unserer Kölner Regionalgruppe ist das z.B. bereits einmal geschehen. Es ist also keineswegs so, dass die gbs und ihr Förderkreis grundsätzlich alles tolerieren.

Allgemein gilt: der evolutionäre bzw. der neue Humanismus erkennt die Menschenrechte als Fundament seiner Ethik an und verurteilt jede Art von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Diese Haltung schließt aber nicht eine scharfe Kritik von Religionen und Kulturen aus. Dies gilt insbesondere dann, wenn Menschenrechte durch Glaubensgrundsätze und Traditionen eingeschränkt oder verletzt werden. Man kann Missstände nur abschaffen, wenn man sie erkennt und anprangert und dazu braucht es manchmal auch eine klare Sprache, damit jeder versteht was gemeint ist. Menschenrechtsverletzungen werden nicht dadurch besser, dass sie Teil einer fremden Kultur sind. Diese Position wird auch nicht dadurch relativiert, dass manche Rassisten und Rechtsextreme in die gleiche Kerbe hauen. Dennoch muss man sich jederzeit von diesen Leuten distanzieren, um der eigenen Sache nicht zu schaden.

 

Bernd Vowinkel

April 23, 2012 Posted by | Eigene Artikel | | 4 Kommentare