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Fake News

Dezember 13, 2020 - Posted by | Eigene Artikel

1 Kommentar »

  1. Diese Aussage erinnert mich an einen Vergleich, der bekanntlich so endet: … denn Millionen Fliegen können sich nicht irren.

    Tatsächlich sind es nicht Milliarden, die diesem Glauben noch wirklich anhängen. Es gibt eine Vielzahl von Gründen, den Glauben verloren zu haben, dennoch formal Kirchenmitglied zu bleiben. Stichwortartig sind es vor allem folgende Motive, rein äußerlich als noch zur Kirche gehörig zu erscheinen.

    Es sind m.E. u.a. folgende Beweggründe, weshalb immer noch eine scheinbar so breite Zustimmung zu christlichen Positionen zu beobachten ist, warum immer noch so viele Menschen statistisch und dem Augenschein nach als Christen gezählt werden, die in vielen Fällen nicht dazu gezählt werden dürften. Sie würden sich oft selbst nicht mehr zu den Gläubigen zählen, wenn sie über Glauben und Kirche gründlich aufgeklärt wären, oder sie sind nur aus glaubensfremden Gründen noch Mitglied in der Kirche.

    Es sind zusammengefasst die folgenden Motivkomplexe: 1.Unkenntnis oder Nichtwissenwollen wesentlicher Fakten zur Geschichte des Christentums und zur Praxis der Kirche. 2. Autoritätsorientiertes Denken und die Sehnsucht nach Führung und verbindlichen Lebensregeln. 3.Angst vor göttlichem Zorn und Verdammnis bei Abwendung vom Glauben, falls Gott doch existiert. 4. Tradition, Anpassung und Mitläufertum aufgrund gesellschaftlichen Drucks ohne tatsächliche eigene Überzeugung. 5. Zwangsmitgliedschaft aufgrund des kirchlichen Arbeitsrechts. 6. Kulturelles oder soziales Engagement im Rahmen der Kirche trotz innerer Distanz zu Glauben und Kirche. 7.Die Kirche als bloßer Ort der Gemeinschaft und sozialen Kontakte. (Ausführlich diskutiert findet man das in dem Buch »Warum ich kein Christ sein will«, 7., aktualisierte Auflage, 2018, Wissenschaftsverlag Tectum).

    Im Frühjahr 2016 führte EMNID eine Befragung der Berliner Bevölkerung mit folgendem Ergebnis durch: 61% der Berliner gehören keiner Religionsgemeinschaft an, 21% (nach den neuesten Erhebungen sogar nur noch 16%) gehören der evangelischen Kirche oder einer evangelischen Freikirche an, 9% sind Mitglied der katholischen Kirche. 74% aller Befragten gaben an, der Aussage »Ich führe ein selbstbestimmtes Leben, das auf ethischen und moralischen Grundüberzeugungen beruht und frei ist von Religion und Glauben an einen Gott« voll und ganz bzw. eher zuzustimmen. Lediglich 23% der Befragten sagten, dass diese Aussage eher nicht bzw. überhaupt nicht zutreffe. Dabei ist überraschend, dass auch 64% der Protestanten und 57% der befragten Katholiken der Aussage ebenfalls zustimmten, dass sie ein »Leben frei von Religion und Glauben« führten. Diese Zahlen machen deutlich, dass die Mitgliedschaft in einer Religionsgemeinschaft nicht ausschließt, von der offiziellen Lehre stark abweichende Lebensauffassungen zu vertreten.

    Berlin ist zwar nicht repräsentativ für Deutschland, wohl aber in der Tendenz typisch für deutsche Großstädte mit ihrem größeren Bildungsangebot. Denn auffallend war bei dieser Befragung, dass mit steigendem Bildungsgrad die Zustimmung zur humanistisch-säkularen Lebensauffassung zunahm.

    Kommentar von uwelehnert | Dezember 13, 2020


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