gbs Köln

Rezension zum Buch „Homo Deus“

Schwarzmalerei auf niedrigem Niveau

Das gesamte Buch bewegt sich auf einem eher niedrigen Niveau, was aber sicher zu einer guten Lesbarkeit und damit auch zu seinem Erfolg beigetragen hat. Das Thema selbst ist in vielen anderen und besseren Büchern mehr als ausreichend diskutiert worden, aber wenn dieses Buch durch seinen großen Erfolg größere Teile der Bevölkerung mit dem Thema vertraut macht, ist das ja immerhin positiv zu bewerten. Allerdings sind dem Autor einige gravierende Fehler unterlaufen.

So ist für den Autor nahezu alles, was es an Weltanschauungen, Ideologien und technologischen Entwicklungen gibt, Religion. Den Humanismus als Religion einzuordnen, ist aber einfach nur dummes Zeug. Zwischen Weltanschauung und Religion gibt es eben doch gewisse Unterschiede und die sollten einem Geschichtsprofessor eigentlich geläufig sein. Hitler gar als Verfechter des evolutionären Humanismus darzustellen, ist völlig haarsträubend. Der Begründer des evolutionären Humanismus Julian Huxley war zwar, wie viele andere zu seiner Zeit, für eine negative Eugenik, das trifft aber nicht mehr für die heutigen Vertreter des evolutionären Humanismus (wie z.B. die Giordano-Bruno-Stiftung) zu. Wenn es ein Musterbeispiel für einen Antihumanisten gibt, dann ist es Hitler. Außer der Bezeichnung hat der Autor ganz offensichtlich keinen blassen Schimmer vom evolutionären Humanismus.

Auf Seite 166 steht: „Da Computer auf Siliziumbasis ganz anders strukturiert sind als die neuronalen Netze des Menschen, die auf Kohlenstoff beruhen, sind die menschlichen Signaturen für Bewusstsein in ihrem Fall möglicherweise nicht relevant.“ Das ist falsch! Informationsverarbeitung ist substratunabhängig und das gilt auch für das Bewusstsein. Auf Seite 431 kommt er dann immerhin selbst zu dieser Erkenntnis bzw. beschreibt sie als wissenschaftliche Antwort.

Auf Seite 258 schreibt der Autor: „Die Wissenschaft bedarf immer religiöser Unterstützung, wenn sie funktionierende Institutionen schaffen möchte …Insofern beruht jedes praktische Projekt, das Wissenschaftler in Angriff nehmen, auch auf religiösen Einsichten“ Das ist völliger Quatsch. Wir leben nicht mehr im Mittelalter, wo das vielleicht noch zutraf.

Seite 261: „Die Wissenschaft verfügt weder über die Macht noch über die Fähigkeit, die moralischen Urteile von Religionen zu widerlegen oder zu untermauern.“ Dazu kann man auch die gegenteilige Meinung haben.

Seite 270: „Religion liefert die moralische Rechtfertigung für wissenschaftliche Forschung…“. Das ist Blödsinn!

Generell macht der Autor eine klare Trennung zwischen Intelligenz und Bewusstsein. Diese Position ist aber nicht haltbar. Evolutionsbiologen gehen davon aus, dass Bewusstsein kein nebensächliches Produkt der Evolution war, sondern essentielles Element zur Entwicklung der höheren Intelligenz des Menschen. Eine Superintelligenz ohne Bewusstsein ist nicht wirklich superintelligent.

Insgesamt malt der Autor eine düstere Zukunft, in der die Maschinen über die Menschen herrschen und das, obwohl sie seiner Ansicht nach kein Bewusstsein haben. Positive Aspekte werden kaum erwähnt. So wäre z.B. bei manchen unserer Staatsoberhäupter etwas mehr Intelligenz durchaus von Vorteil.

Dass dieses Buch so erfolgreich ist, lieg unter anderem daran, dass es zumindest im deutschsprachigen Raum eine große Begeisterung für Weltuntergangsszenarien gibt. Dagegen ist eine Begeisterung für neue Ideen und den technologischen Fortschritt, wie sie im Silicon-Valley vorherrscht, hier bei uns grundsätzlich verdächtig. Leute wie z.B. Ray Kurzweil werden in den USA mit Auszeichnungen und Ehrungen überschüttet, während er bei uns (wie auch in diesem Buch) als hoffnungsloser Euphoriker verunglimpft wird. Spätestens dann, wenn keiner mehr unsere stinkenden Dieselfahrzeuge haben will, wird sich die negative Haltung zur KI in unserem Land auch in unserer Wirtschaftskraft niederschlagen.

 

Bernd Vowinkel

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August 14, 2017 - Posted by | Bücher |

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