gbs Köln

Offener Brief an die DFG wegen des Skandals um Forschungsgelder für die katholische Theologie an der Uni Bochum

Offener Brief an den Vorstand der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Zur Kenntnisnahme weitergeleitet an den Vorstand der Giordano-Bruno-Stiftung und den Vorstand der gbs Köln.

.

.

Sehr geehrte Frau Horstmann,

Wie ich aus der Webseite der DFG entnommen habe, sind Sie für das Qualitätsmanagement im Bereich des Emmy Noether-Nachwuchsprogramms zuständig. Falls Sie sich für den vorgetragenen Fall nicht zuständig fühlen, bitte ich Sie um Weiterleitung meines Anliegens an die zuständige Person.

Ich war über einige Jahrzehnte am 1.Physikalischen Institut der Universität Köln als Wissenschaftler angestellt. In dieser Zeit war ich an mehreren Sonderforschungsbereichen aktiv beteiligt. Ich habe die Begutachtungsverfahren und die Mittelzuwendungen der DFG immer als ausgesprochen gerecht, demokratisch und wohlüberlegt empfunden. Insbesondere die Begutachtungen fanden auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau statt. Insgesamt bin ich der DFG außerordentlich dankbar für die mir und meinen Kollegen gewährte Unterstützung, ohne die ich den größten Teil meiner Forschungsarbeit nicht hätte durchführen können. Umso entsetzter war ich, als ich nun feststellen musste, dass die DFG seit Mai dieses Jahres ein Projekt an der Uni Bochum unterstützt, dass in keinerlei Hinsicht dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit gerecht wird. Insbesondere werden hier die Grundsätze der Neutralität und der Ergebnisoffenheit in eklatanter Weise verletzt.

Es geht um das im Rahmen des Emmy Noether-Nachwuchsprogramms genehmigte Projekt: „Theologie als Wissenschaft?! – Naturalismus und Wissenschaftstheorie als Herausforderungen katholischer Theologie“. Die Projektbeschreibung ist laut DFG (http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/295845819):

„Das Ziel der Nachwuchsgruppe besteht darin, die in der gegenwärtigen Debatte vonseiten des Naturalismus und der analytischen Wissenschaftstheorie vorgebrachten Einwände gegen die Wissenschaftlichkeit der katholischen Theologie zu strukturieren, zu evaluieren und, durch das Entwickeln einer allgemein anschlussfähigen Wissenschaftstheorie der katholischen Theologie, zurückzuweisen.“

Auf den ersten Blick scheint das ja noch einigermaßen sinnvoll zu sein. Bei genauerem Nachlesen stellt man jedoch fest, dass es hier nicht um eine ergebnisoffene Forschung gehen soll, sondern um die Zurückweisung von Einwänden gegen die Theologie. Sinn hätte ein solches Projekt nur dann gemacht, wenn es von einer neutralen Gruppe z.B. innerhalb der allgemeinen Philosophie durchgeführt worden wäre, wobei dann durchaus auch einige Theologen hätten beteiligt werden können. Aber so ist es eigentlich ein Skandal, denn hier wird sozusagen der Bock zum Gärtner gemacht. Davon abgesehen ist die Ausstattung mit 1,6 Millionen Euro und die Dauer von 5 Jahren ausgesprochen üppig. Jeder durchschnittlich begabte Philosoph bzw. Wissenschaftstheoretiker dürfte in der Lage sein, innerhalb einer Stunde zu beweisen, dass die Theologie keine Wissenschaft ist. Ich selbst habe genau zu diesem Thema erst vor wenigen Tagen einen Artikel beim Humanistischen Pressedienst (hpd) veröffentlicht:

 http://hpd.de/artikel/warum-theologie-keine-wissenschaft-13057

Alleine in diesem Artikel sind schon genügend Argumente zusammengetragen, die ausreichend beweisen, dass die Theologie keine Wissenschaft ist und eigentlich an den Universitäten nichts mehr zu suchen hat. Ein besonders treffender Kommentar (von Bernd Kammermeier) zu meinem Artikel war:

„Spätestens, wenn man begriffen hat, dass das Nibelungenlied ein fiktionaler Text ist, sollte man seine Suche nach dem Schatz der Nibelungen beenden. Wer trotzdem weitersucht, muss eine staatlich finanzierte Stelle innehaben und will diesen Vorteil bis zur Rente genießen.“

Für diejenigen, die meine Kompetenz als Physiker in bezug auf geisteswissenschaftliche Themen anzweifeln, sei hier noch auf einen Artikel von dem  promovierten Theologen Dr. Heinz-Werner Kubitza verwiesen, der mit ähnlichen Argumenten zum gleichen Urteil kommt:

http://www.tagesspiegel.de/wissen/ist-theologie-eine-wissenschaft-lehre-unter-denkmalschutz/11588538.html

Hier ein kleiner Auszug aus seinem Artikel:

„Theologie kann auch deshalb nicht wissenschaftlich sein, weil sie konfessionell ist, und es eben keine evangelische oder katholische Wissenschaft geben kann. Sie ist auch deshalb keine Wissenschaft, weil in den Dogmatiken selbst freimütig zugegeben wird, dass wissenschaftsfremde Bedingungen (eigene Gläubigkeit, Bibel, Bekenntnisse) die Grundlagen bestimmen, und dass man ohne diese nicht Theologie treiben kann.“

In einem Artikel von domradio.de:

https://www.domradio.de/themen/glaube/2016-05-02/uni-bochum-erforscht-wissenschaftlichkeit-katholischer-theologie

wird der Antragsteller des Projekts Herr Göcke zitiert:

„Sollte sich zeigen, dass katholische Theologie keine Wissenschaft ist, muss laut Göcke auch die Rolle der Theologie an der Universität neu überdacht werden. Theologische Fakultäten samt ihrer Abschlüsse liefen dann Gefahr, aus dem universitären Kanon ausgeschlossen zu werden. Dagegen müsste im Fall einer positiven Bilanz geprüft werden, welche konfessionsgebundenen theologischen Fakultäten zusätzlich zu den bereits bestehenden Fakultäten an staatlichen Universitäten neu eröffnet werden sollten, erklärte der Theologe.“

Dem Interessenskonflikt, sich mittels eines „Forschungsprojekts“ sozusagen selbst überflüssig zu machen, oder das Gegenteil davon zu beweisen, würde allerdings jeder seriöse Wissenschaftler aus dem Wege gehen. Da das Ergebnis in der Projektbeschreibung quasi vorweggenommen ist und sogar eine Ausdehnung der theologischen Fakultäten avisiert wird, dürfte wohl unschwer zu prognostizieren sein, dass das Ergebnis positiv im Sinne von Herrn Göcke ausfallen wird, obwohl er ja anscheinend selbst an der Wissenschaftlichkeit der Theologie zweifelt. Darüber hinaus büßt die DFG mit der Genehmigung des Projekts an Glaubwürdigkeit ein und schadet sich damit in hohem Maße selber. Und gleichwohl auch dem Wissenschaftsbetrieb insgesamt, dem diese Mittel an anderer Stelle nicht zur Verfügung stehen.

Meine Fragen sind aus den genannten Gründen, ob und in welcher Form hier die übermächtige Lobby der katholischen Kirche ihre Hände im Spiel hatte und warum von Seiten der DFG niemanden aufgefallen ist, dass hier auf gröbste Weise die Prinzipien einer gerechten und verantwortlichen Mittelvergabe ausgehebelt wurden. Interessieren würde mich auch, wer die Gutachter waren.

Von Seiten der Giordano-Bruno-Stiftung und hier insbesondere von der Regionalgruppe Köln sowie dem Säkularen Netzwerk NRW (SNW) werden wir die Dinge weiter verfolgen und dafür Sorge tragen, dass die Öffentlichkeit informiert wird. Die gbs Regionalgruppe Köln hat bereits einen ersten Artikel zu dem Thema beim hpd veröffentlicht:

http://hpd.de/artikel/skandal-um-forschungsgelder-fuer-katholische-theologie-13075

.

.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Bernd Vowinkel

Mai 12, 2016 - Posted by | Eigene Artikel |

2 Kommentare »

  1. Als promovierter Geisteswissenschaftler (anglistische Literaturwissenschaft und neuere Geschichtswissenschaft) kann ich diesen Brief eines Physikers nur aus vollster Überzeugung unterschreiben!

    Kommentar von Nele Abels | Mai 13, 2016

  2. Hat dies auf WENEZIA™ – Weidens neue Mitte! rebloggt.

    Kommentar von OIKOS™-Redaktion | Mai 13, 2016


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: