gbs Köln

Trotz Mitgliederschwunds zahlt Freistaat mehr Geld an Kirchen

Einziger Grund ist eine Dynamisierungsklausel in den 20 Jahre alten Staatsverträgen. Sachsens Linke stößt sich auch an „zusätzlichen Geldgeschenken“.

Von Tino Moritz (mit epr)
erschienen am 30.11.2015

Dresden. Durch Tod oder Austritt haben evangelische und katholische Kirche in Sachsen nicht einmal mehr eine Million Mitglieder und damit ein Drittel weniger als vor 20 Jahren. Auf die ihnen vom Freistaat garantierten Staatsleistungen wirkt sich dieser Schwund jedoch nicht aus. Im laufenden Jahr bekommen die christlichen Kirchen 24,4 Millionen Euro, wie aus einer Regierungsantwort auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten André Schollbach (Linke) hervorgeht. Für 1993 erhielten die Kirchen zusammen umgerechnet nur 13,3 Millionen Euro. Grundlage dafür waren die 1994 und 1996 mit dem Freistaat geschlossenen Staatsverträge. Diese schrieben nicht nur einen Jahresbetrag von damals 25 Millionen D-Mark für die evangelischen Landeskirchen und von einer Million D-Mark für die katholischen Bistümer fest, sondern auch eine Anpassung an die Besoldung der Beamten im Staatsdienst. Dadurch steigerte sich die Höhe der Staatsleistungen, für die die Kirchen der Regierung bis heute keinen Verwendungsnachweis vorlegen müssen, in 23 Jahren um fast 84 Prozent. Dabei ist allerdings die Inflation von jährlich rund zwei Prozent zu berücksichtigen.

 

 

weiterlesen:

http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/TOP-THEMA/Trotz-Mitgliederschwunds-zahlt-Freistaat-mehr-Geld-an-Kirchen-artikel9369846.php

Dezember 3, 2015 - Posted by | Presse |

5 Kommentare »

  1. Auf eine kleine, aber bedeutsame sprachliche Ungenauigkeit möchte ich aufmerksam machen.

    Wir sprechen immer von Staatsleistungen, von Zahlungen des Staates an die Kirchen. Tatsächlich handelt es sich hier beim »Staat« um den verlängerten Arm der Kirchen. Es gibt kein einziges politisch oder gesellschaftlich relevantes Amt, das nicht kirchlich unterwandert wäre. Die Kirchen sitzen in allen Parteispitzen, unser gesamtes Bundeskabinett besteht aus erklärten Christen. Die drei höchsten Staatsämter haben erklärte und engagierte Christen inne. Die Kirchen haben alle führenden Posten in den meinungssteuernden Rundfunk- und Fernsehanstalten mit ihnen ergebenen Leuten besetzt. Die obersten Gerichte sind und werden von den beiden großen Kirchenparteien CDU/CSU und SPD über die Kandidatenvorschläge kirchenfreundlich zusammengesetzt. Nicht zuletzt sitzen in der für die Gesetzgebung maßgebenden Ministerialbürokratie der Länder und des Bundes flächendeckend Beamte, denen vor allem das Wohl der Kirchen am Herzen liegt.

    Will sagen, diese von mir weder direkt noch indirekt gewählten Herren und Damen maßen sich an, unsere Gesellschaft mit ihrer Ideologie – Entschuldigung, aber so sehe ich das – zu vergiften. Die Kirche stellt mit Abstand die größte politisch agierende Lobbygruppe dar. Aber dank der diesbezüglichen Vorschriften des Bundestags muss diese nicht einmal in der Liste der die Politik »beratenden« Interessenverbände aufgeführt werden. Eigentlich hatte ich mir in meiner Naivität – früher jedenfalls, heute nicht mehr – Demokratie als »Herrschaft gewählter (und wieder abwählbarer) Volksvertreter« anders vorgestellt.

    Der Begriff »Kirchenstaat« wäre ein viel ehrlicherer, weil treffenderer Begriff für diese krakenhafte Vereinnahmung unserer Gesellschaft durch diese Institution eines von einem naiv-ahnungslosen Hirtenvolk vor tausenden von Jahren erfundenen Glaubenssystems.

    Kommentar von Uwe Lehnert | Dezember 3, 2015

  2. Ich ergänze meinen obigen Kommentar für jene, die immer noch Kirche und Glauben mit positiven Gedanken und Gefühlen assoziieren. Etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung tut das nicht mehr, sie sind nicht Mitglied in einer dieser Kirchen. Etwa die Hälfte der deutschen Bevölkerung, möglicherweise schon deutlich mehr – so zeigen Untersuchungen – hat sich längst verabschiedet von den tragenden Glaubenselementen des christlichen Glaubens. Sie glauben nicht mehr an die Göttlichkeit von Jesus, an seine von Gott gewollte Opferrolle, sie halten die Auferstehung für ein schönes Märchen, meist ist auch Gott für sie eine Illusion aus Kindertagen. Dass sie dennoch vielfach in der Kirche verbleiben, hat viele Gründe, keiner davon aber stellt ein Bekenntnis zu diesem Phantasiesystem dar.

    Mit welchem Recht maßen sich die Kirchen an, an so vielen Stellen für das ganze Volk zu sprechen? Es sind die überkommenen, einst mit bloßer Macht angeeigneten Privilegien, die ihnen diesen enormen, aber verdeckt ausgeübten Einfluss noch heute möglich machen. Dass dieser Einfluss bestehen bleibt, ja sukzessiv weiter ausgebaut wird, dafür sorgt eine Schar von »gewogen gemachten« führenden Politikern, Medienleuten oder etwa höchsten Richtern.

    Wie macht man sich einflussreiche Personen gewogen? Beispielsweise durch wahlwirksame Sitze im Zentralkomitee der deutschen Katholiken oder der Synode der evangelischen Kirche, durch Antragen von Kirchentagspräsidentschaften, durch lukrative Vorstandsposten in kirchlichen Großunternehmen. Auch durch hohe kirchliche Orden – sehr beliebt zum Beispiel bei unseren Verfassungsrichtern. Wer als freier Mitarbeiter beim Rundfunk und Fernsehen oder bei bestimmten Tageszeitungen sein Brot verdient, wird es kaum wagen, kirchen- oder gar religionskritische Beiträge zu verfassen. Schließlich will man weitere Aufträge nicht gefährden. Die Methoden funktionieren.

    Kommentar von Uwe Lehnert | Dezember 3, 2015

  3. Aus diesem Bericht geht leider nicht hervor, was die Kirche mit dem Geld macht.
    Haben sie die Trägerschaften über Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheimen, Kindergärten, Beratungsstellen, Sozialstationen u.v.m.
    Gibt es in Sachsen oder irgendeinem anderen Bundesland eigen soziale Einrichtungen (z.B. Altenheime), die unter der Trägerschaft der humanistischen Verbände stehen?

    Kommentar von Franz Xaver | Dezember 4, 2015

  4. Lieber Herr Lehnert, ich ergänze auch meinen Kommentar.
    Ich kann Sie beruhigen: Die Kirche hat keinen Einfluss mehr auf die Gesetzgebung. Oder glauben Sie, dass die irrsinnige Gender-Politik von der katholischen Kirche unterstützt wurde?
    Warum konnte die Kirche nicht die „Abtreibungsgesetze“ verhindern? X-tausende Kinder werden jährlich regelrecht abgeschlachtet. Abtreibungskliniken florieren – es ist ein großes Geschäft!
    Ausserdem leben wir in Deutschland/Europa nur in einer ‚“Schein-Demokratie“. Alle demokratischen Rechte incl. der Menschenrechte werden nach und nach abgebaut. Seit dem „inszinierten Anschlag 9/11“ werden wir nicht nur vera………, nein wir werden regelrecht verhöhnt.
    Wo ist der Aufschrei der humanistischen Verbände?????

    Zitat Ministerpräsident Seehofer: (sinngemäß)
    „Diejenigen, die gewählt wurden, haben nichts zu bestimmen.
    Diejenigen, die bestimmen, wurden nicht gewählt.“

    Kommentar von Franz Xaver | Dezember 4, 2015


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