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Zum Tode Ralph Giordanos

Zum Tode Ralph Giordanos

Wir haben einen großen Humanisten verloren. Ralph Giordano hat in einem seiner Bücher geschrieben, er kenne keinen kostbareren Standort als das „Podest persönlicher Glaubwürdigkeit“. Er stand dort, unbeirrbar und unbestechlich von Zeitgeist und falscher „Political correctness“, immer auf Seiten der Menschenrechte. Er hat immer dort Unruhe gestiftet, wo das nötig war, ob gegen das Vergessen des Völkermordes an den Armeniern, ob an der Seite der Frauenrechtlerinnen Mina Ahadi oder Seyran Ates. Seine Rede auf der 1. Kritischen Islamkonferenz in Köln 2008 bleibt ein Manifest einer humanen Grundorientierung gegen totalitäre Ideologien, seien sie religiös fundiert oder nicht. Sein Kampf gegen den Bau der Großmoschee in Köln-Ehrenfeld erinnert an Stefan Zweigs „Castellio gegen Calvin“, – ein Gewissen gegen die Gewalt“, wo die Stimme des Humanisten gegen die religiöse Bevormundung des Selbstbestimmmungsrechtes des Individuums antritt. Ob in seinen Reportagen aus Nord-Irland oder Israel, Ostpreußen oder Indien – immer stand der Mensch mit seinen Rechten und Gefühlen im Zentrum all seiner Überlegungen. Bis auf den „Wombat“ habe ich sämtliche seiner fast zwanzig Bücher gelesen – alle sind unverändert lesenswert, nicht nur die „Bertinis“. Mein Favorit bleibt „Sizilien!Sizilien!“, wo Ralph Giordano auf den Spuren seines sizilianischen Auswanderer-Großvaters dessen Reise in umgekehrter Richtung unternimmt, von Hamburg über Palermo bis in die sizilianische Kleinstadt Riesi. Unter dem einen Arm Goethes „Italienische Reise“, unter dem anderen Arm „Der Leopard“ von Tommaso di Lampedusa, das ist und bleibt nicht nur eine Liebeserklärung an den migrierenden Großvater, sondern auch sprachlich unverändert ein Hochgenuß. Ein erfülltes, tatkräftiges, unerschrockenes Leben ist zu Ende gegangen und Ralph Giordano bleibt eine Ermutigung für alle Humanisten. Ja, so kann man leben: human, tatkräftig, begeistert und auch andere zu humanistischen Taten begeisternd. Und auch im hohen Alter – immerhin war er bei seiner sprachgewaltigen Rede auf der 1. Kritischen Islamkonferenz bereits 85! – geistreich gegen die verbohrten, inhumanen Ideologien. Ruhestand? Das ist was für Langweiler! Köln sollte sein Rheinufer in „Giordano Kai“ umbenennen. Er hätte es so verdient. Danke, Ralph Giordano.

Frank Hichert

Dezember 14, 2014 - Posted by | Eigene Artikel |

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