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Leben ohne Moral? – Bambule mit Michael Schmidt-Salomon

 

September 23, 2013 - Posted by | Videos |

1 Kommentar »

  1. An sich ein interessantes und wichtiges Thema. Für mich als – auch mal – Pädagoge und Didaktiker zu wenig klar und eindeutig formuliert, was man eigentlich vermitteln wollte. Michael Schmidt-Salomon, dem ich eigentlich vollinhaltlich zustimme, kam – vermutlich aufgrund etwas diffuser Fragestellungen – nicht so klar rüber. Deutlich klarer der Wirt im grauen Pullover, er sagte richtig, dass Moral sich evolutionär entwickelt hat und uns quasi in die Wiege gelegt wurde. Michael Schmidt-Salomon ergänzte an anderer Stelle zurecht, dass diese ursprüngliche Moral kulturell verstärkt oder deformiert werden kann. Am besten gefiel mir Sarah Wagenknecht. Sie bezog die Thematik »moralisches Verhalten« auf alltägliche Situationen und wurde dadurch sehr konkret und verständlich.

    Die noch junge Soziobiologie kann anhand von Untersuchungen, insbesondere an Primaten, zeigen, dass auch menschliches bzw. moralisches Verhalten einer natürlichen Auswahl unterliegt und dass die weltweiten Übereinstimmungen – zumindest im Kernbereich der Moral – sich mit der Evolutionstheorie erklären lassen.

    Kooperation und Mitgefühl – beide Prinzipien haben sich evolutionär herausgebildet – bilden die Keimzellen der Moral. Offenkundig haben Gesellschaften besser oder überhaupt nur überlebt, weil ihre Mitglieder diese Form des Zusammenlebens praktizierten: gemeinsame Nahrungsbeschaffung, Teilen in der Not, gemeinsame Abwehr von Feinden und barmherzige Hilfe aufgrund von Mitleid. Die Befolgung dieser Kernelemente der Moral beziehungsweise Ethik liegt im gegenseitigen Interesse der Beteiligten und bedarf daher zu ihrer Durchsetzung weder der Verheißung himmlischer Freuden noch der Androhung höllischer Bestrafung. Die typische Warnung von religiöser Seite »Ohne Gott ist alles erlaubt« entbehrt daher jeder Grundlage.

    Bemerkenswert ist, dass sich moralisches Verhalten nicht aus einem absoluten, einem nicht mehr hinterfragbaren göttlichen Willen ableiten, der sich angeblich über heilige Texte offenbart hat, sondern von den gesellschaftlichen Konsequenzen der aufgestellten Forderungen her begründen und bewerten lässt. Nach diesem Denkansatz ist eine Forderung beziehungsweise Tugend erstrebenswert und im wünschenswerten Sinn Moral stiftend, wenn sie zu einem zwischenmenschlichen Verhalten führt oder dieses wenigstens begünstigt, das einer möglichst großen Zahl von Menschen gut tut und diesen erstrebenswert erscheint, das menschliches Leid möglichst verhindert und dem harmonischen Zusammenleben dient.

    Um einem etablierten Normensystem noch mehr Autorität und Unantastbarkeit zu verleihen, wird einer solchen Moral dann nachträglich göttlicher Ursprung unterstellt.

    Kommentar von Uwe Lehnert | September 23, 2013


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