gbs Köln

Religion hat in der Politik nichts verloren

Religionen erleben gerade so etwas wie eine Renaissance. Doch Religionsfreiheit meint auch und gerade die Freiheit von Religion. Glaube hat in der Politik nichts verloren. Warum wir weniger statt mehr Religion brauchen.

 

weiterlesen im Originalartikel

Mai 21, 2013 - Posted by | Presse |

2 Kommentare »

  1. Ich erlaube mir, hier nochmal meinen Kommentar zu wiederholen, den ich seinerzeit bei der Zeitschrift Cicero eingegeben habe. Er verdeutlicht, welche enge Verquickungen in Deutschland zwischen Staat und Kirche bestehen und zugunsten der Kirche genutzt werden:

     Theologische Fakultäten als Pfarrer ausbildende Institutionen an staatlichen Uni-versitäten, Finanzierung durch den Staat;
     Mitspracherecht des Papstes, also einer ausländischen Macht, bei der Errichtung und Schließung von katholisch-theologischen Lehrstühlen in Deutschland;
     Vetorecht der Kirche bei der Besetzung sogenannter Konkordats-Lehrstühle (betreffend Philosophie, Pädagogik u.a.);
     Religion als ordentliches und benotetes Schulfach in eigentlich weltanschaulich neutralen Schulen, wobei die Religionslehrer vom Staat finanziert werden;
     Einflussnahme auf schulische und berufliche Lehrinhalte durch christlich-religiöse Minister (Beispiel Bundeswehr: Der verpflichtende »Lebenskundliche Unterricht« erfolgte für die Wehrpflichtigen durch die Militärpfarrer. Beispiel Sachsen, 2006: Die staatlichen Bildungspläne für die Kitas wurden durch Papiere der evangelischen Landeskirche in Form von »Glaubenserfahrungen« ergänzt.);
     beamtete Pfarrer für die »Seelsorge« in der Bundeswehr und im Strafvollzug;
     zunehmende Verquickung von offiziellen Staats- und Trauerakten mit kirchlichen Gottesdiensten, ähnliche Tendenzen auch bei der Bundeswehr; immer öfter »Ein-segnungen« von öffentlichen Gebäuden;
     Gehälter und Pensionen von Bischöfen, Kardinälen, Domherren u.a. samt Neben-kosten aus allgemeinen Steuermitteln;
     staatliche Zuschüsse zu den Kirchentagen in teilweise zweistelliger Millionenhöhe aus allgemeinen Steuermitteln (Beispiel: Zweiter Ökumenischer Kirchentag München 2010: Gesamtkosten 26 Mill. Euro, davon übernahmen die Kirchen 2,5 Mill., den Rest fast vollständig der Bund, Land Bayern und Stadt München);  Kirchensteuereinzug durch die staatlichen Finanzämter;
     jahrelang erfolgter, zwangsweiser und nicht rückerstattungsfähiger Kirchensteuer-abzug beim Arbeitslosengeld, auch wenn keine(!) Kirchenmitgliedschaft vorlag (in-zwischen aufgehoben);
     kirchliches Arbeitsrecht über staatlichem Arbeitsrecht stehend, mit weniger Rechten für den Arbeitnehmer in konfessionellen Kindertagesstätten, Schulen, Krankenhäusern (z. B. kein Streikrecht, Zwangsmitgliedschaft in der Kirche, fristlose Kündigung bei Glaubensverstößen – trotz fast vollständiger staatlicher Finanzierung);
     Alleinvertretungsanspruch der Kirchen in weltanschaulichen Fragen in den Rund-funk- und Fernsehräten;
     evangelische und katholische Rundfunkbeauftragte in den öffentlichen und privaten Rundfunk- und Fernsehanstalten mit eigenen Redaktionen, nichtreligiöse Weltan-schauungen nicht zugelassen;
     feste Sendeplätze für die Kirchen in Rundfunk und Fernsehen;
     Besetzung von Ethikräten ganz überwiegend mit Theologen und Vertretern der christlichen Religion – trotz inzwischen 40 % nichtchristlicher Bürger;
     nicht kündbare Verträge (Konkordate) zwischen Staat und Kirche, die der Kirche dauerhaft Einfluss und vor allem Finanzmittel sichern (siehe z. B. Frerk, 2010 oder Czermak, 2008);
     massive finanzielle Unterstützung (in der Größenordnung von 90 bis 100%) konfessioneller, mit kirchlichen Sonderrechten ausgestatteter Kindertagesstätten, Schulen und Krankenhäuser durch den Staat und die Sozialkassen; mit staatlichen Geldern errichtete Bauten gehen in den Besitz der Kirchen über;
     Befreiung von der Grundsteuer sowie der Zinsabschlags-, der Kapitalertrags-, der Körperschafts- und der Gewerbesteuer bei Geschäften der Kirche;
     insgesamt steuerliche Subventionierung der Kirchen und ihrer Einrichtungen von ca. 20 Milliarden Euro jährlich, aufgebracht durch alle Steuerzahler;
     selbstherrliches Umwandeln des im Grundgesetz (Artikel 140) festgeschriebenen Selbstverwaltungsrechts der Kirchen in ein umfassendes, kompetenzerweiterndes Selbstbestimmungsrecht;
     ständige Versuche des Gesetzgebers, Gesetze, obwohl letztlich religiös bzw. mit dem christlichen Weltbild begründet, auch für Nicht- und Andersgläubige verbindlich zu machen (Beispiele: Verbot der Embryonen- und Stammzellforschung oder Verbot der Freigabe der Präimplantationsdiagnostik).

    (Mehr dazu in meinem Buch »Warum ich kein Christ sein will – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung«, Berlin 2012, 5. Auflage. Näheres dazu z.B. bei Amazon, dort Inhaltsverzeichnis und über 60 Rezensionen.)

    Kommentar von uwelehnert | Mai 21, 2013

  2. Herr Lehnert hat m.E.detailliert und Punktgenau die Fakten aufgeführt, die jeden intellektuell, redlichen Menschen im Land Aufmerksamkeit abfordern sollte. Wenn der Gesellschaft zunehmend Sparzwänge auferlegt werden, debattieren Parteien und Fraktionen mit Nachdruck um die von ihnen eingebrachten Positionen und Prioritäten.
    Nur den Amtskirchen werden- oft unhinterfragt- diese Exorbitanten finanziellen Leistungen zugestanden. Und nur wenige Menschen, Parteien und Organisationen haben die notwendige Courage und Verantwortung dieses soziale und wirtschaftliche Ungleichgewicht auf die Tagesordnung zu setzen bzw. öffentlich zu machen. Durch die vielfältigen Verflechtungen der kirchlichen Hierarchie mit staatlichen Institutionen werden inhaltsbezogene Kritiken einfach ignoriert, oder von konservativen, fundamentalen Kirchen-,u. Religionskonformen Günstlingen und Honigsaugern als Blasphemie zerrissen. Ich denke da an etliche Plattformen wie den Einfluss in den Massenmedien ( kircheneigene Presse, Einfluss in anderen Presseorganen, im Rundfunk und Fernsehen usw.) Oder im Besonderen das Bestreben der Kirche, Kirchlichkeit, kirchliche Gesinnung und Denkmuster sowie die kirchliche Sozial,- und Morallehre in die Gehirne der Kinder Jugendlichen zu manifestieren. Mittlerweile sind es 70% der Schüler dieses Landes, die mit Dogmen und Formeln im Religionsunterricht verpasst bekommen. Hier werden der ideologischen Funktion der Kirche alle Türen und Tore geöffnet.
    Säkular- weltliche Verbände und Organisationen haben berechtigte Gründe, besagte Privilegien anzumahnen und mit Nachdruck Gleichbehandlung vor dem Grundgesetz einzufordern.

    Kommentar von Uwe Kalkbrenner | Mai 22, 2013


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