gbs Köln

Kunstfreiheit gilt auch für schlechte Filme

Stellungnahme der Giordano-Bruno-Stiftung zum geplanten Verbot des umstrittenen Mohammed-Films

(17.09.2012)

 

Der Vorstand der Giordano-Bruno-Stiftung hat sich gegen das von Politikern geplante Verbot des umstrittenen Mohammed-Films ausgesprochen, der in der islamischen Welt zu gewaltsamen Protesten geführt hat. „Es wäre ein fatales Zeichen, würde die westliche Welt aus Rücksicht auf die verletzten Gefühle religiöser Fundamentalisten ihre eigenen Wertmaßstäbe verraten!“, erklärte Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon am Stiftungssitz in Oberwesel. „Die Kunstfreiheit gilt selbstverständlich auch für schlechte Filme. Jede Konzession gegenüber religiösen Fundamentalisten würde sie dazu ermutigen, kritische Auseinandersetzungen mit dem Islam künftig noch brutaler zu verhindern. Eine offene Gesellschaft sollte solchen Bestrebungen in aller Entschiedenheit entgegentreten.“

 

Mit klaren Worten wandte sich Schmidt-Salomon auch gegen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), der am Wochenende angekündigt hatte, mit „allen rechtlich zulässigen Mitteln“ gegen die Aufführung des Films vorzugehen: „Wenn Minister Friedrich in seiner Begründung abschätzig von einer ganzen ‚Serie von Geschmacklosigkeiten und Missachtungen von religiösen Gefühlen‘ spricht, in die sich der Mohammed-Film bloß einreihe, wird deutlich, dass er am liebsten nicht nur die Aufführung dieses Films verbieten würde, sondern einen Großteil der religionskritischen Auseinandersetzungen unserer Tage. Wer so einseitig wie er ‚Respekt für die religiösen Gefühle von Menschen‘ einklagt, beweist damit vor allem eines: mangelnden Respekt für die produktive Streitkultur der Aufklärung. Minister Friedrich ist sich offensichtlich nur unzureichend der Tatsache bewusst, dass der moderne Rechtsstaat nur dadurch möglich wurde, dass sich die Aufklärungsbewegung über verletzbare religiöse Gefühle und die damit verbundenen Denkverbote hinwegsetzte. Wären die Demokratieverfechter früherer Zeiten angesichts der massiven religiösen Proteste, mit denen sie zu kämpfen hatten, so schmählich eingebrochen wie der Bundesinnenminister, würden in Europa womöglich noch heute die Scheiterhaufen brennen.“
Hier der Link zum Trailer des Films mit deutschen Untertiteln (man sollte sich selbst ein Bild von der „Qualität“ dieses Films machen, wobei sich die bange Frage stellt, wie viel heftiger die Proteste wohl bei einem wirklich überzeugenden Mohammed-kritischen Kunstwerk ausgefallen wären…):
http://www.youtube.com/watch?v=zx-j8lzx6dQ

Lesen Sie zum Thema auch das Eröffnungsstatement von Michael Schmidt-Salomon in der 3Sat-Debatte zum Thema „Passt der Islam zu westlichen Werten?“ (Ausstrahlung: 27.8.2012, d.h. vor den aktuellen Protesten):
http://www.schmidt-salomon.de/3sat_debatte_mss.pdf

 

September 17, 2012 - Posted by | Aktuell |

1 Kommentar »

  1. Religiöse Randale….

    Mag sein, dass das in aller Munde seiende Video (welches ich nicht selbst gesehen habe) religiöse Gefühle verletzt. Doch bin ich überzeugt, dass dies nur vorgeschoben wird als Grund. Denn immerhin……

    Trackback von Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram. | September 18, 2012


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