gbs Köln

Hüppe fordert: Verleihung des Ethik-Preises an Peter Singer verhindern

Berlin (kobinet) „Die Deutsche Nationalbibliothek muss die für den kommenden Freitag geplante Verleihung des Ethik-Preises der Giordano-Bruno-Stiftung an Peter Singer in ihren Räumlichkeiten verhindern. Sollte die Verleihung nicht zu verhindern sein, erwarte ich eine deutliche Distanzierung der Deutschen Nationalbibliothek vom Preisträger“, betonte Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen.

Die Giordano-Bruno-Stiftung tritt für die Freigabe der Präimplantationsdiagnostik ein. Singer gilt als sogenannter Utilitarist. Er knüpft die Würde des Menschen an seine Nützlichkeit. Die Forderung nach einem Stopp der Preisverleihung richtete der Behindertenbeauftragte an Elisabeth Niggemann, Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek.

weiterlesen im Originalartikel

Kommentar dazu:

Hüppe schreibt:
„Singer gilt als sogenannter Utilitarist. Er knüpft die Würde des Menschen an seine Nützlichkeit.“

dazu Folgendes:
Ein von Religionsvertretern häufig vorgebrachter Einwand gegen den Utilitarismus ist, dass es
danach ja erlaubt wäre, behinderte Neugeborene zu töten, da sie der Gesellschaft nicht von Nutzen sind. Während dieses Argument mit dem Hedonismus oder dem Handlungsutilitarismus kaum zu widerlegen ist, kann ihm jedoch im Regelutilitarismus widersprochen werden. Ein absolutes Tötungsverbot geht zwar nicht unmittelbar aus dem Utilitarismus hervor, aber es ist so zu sehen, dass sich eine Gesellschaft unter utilitaristischen Gesichtspunkten ein solches Gesetz selbst geben kann, womöglich mit gewissen Ausnahmen, wie z.B. Sterbehilfe oder Verteidigungsfall (wobei das jeweils auch auszudiskutieren ist!). Bei der Abwägung von Freud und Leid bei der Frage der Tötung von behinderten Neugeborenen kann man z.B. so gegen eine Tötung argumentieren, dass den eher geringen Nachteilen für die Gesellschaft der Vorteil des Gefühls aller Beteiligten, human zu handeln, überwiegt. Wichtig ist dabei natürlich auch die Erfahrung, wie Behinderte ihr eigenes Leben sehen und da gibt es ja sehr positive Beispiele für ein erfülltes Leben. Es ist eben so, dass es im Utilitarismus keine absoluten Werte gibt, sondern es muss bei jeder Regel überlegt werden, ob sie für die Gesellschaft gut oder schlecht ist. Im Gegensatz dazu werden in Religionsgemeinschaften absolute Werte dogmatisch festgelegt, über die dann nicht mehr diskutiert werden darf, egal wie schwachsinnig sie auch sein mögen.

Auszug aus meinem Beitrag:

http://fowid.de/fileadmin/textarchiv/Vowinkel_Bernd/Utilitarismus_und_Ethik_TA2008_4.pdf

B.Vowinkel

Werbeanzeigen

Juni 2, 2011 - Posted by | Eigene Artikel, Presse |

1 Kommentar »

  1. Wenn versucht wird, die Kritik an Singer als Ausdruck von Religiösität zu bewerten, so werden Nebelkerzen geworfen. Denn es wird dadurch übersehen – oder besser unsichtbar gemacht – dass nicht nur religiös motivierte Personen, sondern ebenso atheistische Humanisten und Tierrechtler sich entschieden gegen die Forderungen von Singer zur Wehr setzen, eine Ethik in die Praxis umzusetzen, bei der behinderte Kinder (und ggf. auch Erwachsene) getötet werden könnten, um Ressourcen für gesunde Kinder, durch die sie ersetzt werden sollen, einzusparen. Es ist auffällig, dass die Befürworter von Singer immer ausgesprochen abstrakt argumentieren, jedwedigen Detail-Bezug zu den Aussagen von Singer vermeiden, der seinerseits allerdings höchst konkret vorgeht, indem er beispielsweise Diagnose-Gruppen definiert, wie das Down Syndrom, die die Tötung von Menschen legitimieren sollen. Anhänger von Singer flüchten ins Abstrakte,unterstellen ihren Gegnern, die Bücher von Singer nicht gelesen oder nicht verstanden zu haben, behaupten religiöse oder emotionale Motive und verweigern sich damit einer jeden sachlichen Diskussion. Hierzu gehört auch die Strategie, in der Öffentlichkeit mit Begriffen, wie Sterbehilfe zu argumentieren, offenbar weil diese besser ankommen, wo Singer doch die Tötung von Behinderten keineswegs aus Gründen der Leidminderung legitimiert, sondern weil er ausführt, dass diese kein Lebensrecht hätten und daher die Ressourcen der Gesunden nicht verbrauchen sollten . Ebenso wenig wird von den Anhängern Singers problematisiert, dass Singer die gesamte Forschungs-Literatur zu Entwicklungspotentialen und interindividuellen Differenzen derjenigen Personengruppen, die er töten lassen will, nicht einmal zur Kenntnis genommen hat, offenbar weil er ihnen bereits a priori und normativ ein Entwicklungspotential abspricht, woraus er dann die Abwesenheit eines Lebensrechtes ableitet. Völlig unplausibel ist es, dieForderung von Singer nach Tötung von Behinderten von seinen „tierrechtlichen“ Positionen trennen zu wollen, denn Singer selbst sieht hier einen inherenten logischen Zusammenhang. Schließlich verkennen die Anhänger Singers – oder wollen es verkennen – dass Singer den Tierrechten immensen Schaden zugefügt hat, indem er sie mit seiner Ideologie der Tötung behinderten Lebens assoziiert hat.

    Kommentar von Gleichklang.de | Juni 9, 2011


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: