gbs Köln

Bizarr? In der Tat! Aber bitte in den Spiegel schauen!

Offener Brief als Antwort auf den Artikel

Bizarre Ideen, derbe Polemik: Kirchenkritiker machen mobil

in „evangelisch.de“

Von Burkhard Wepner, gbs Regionalgruppe K/B/D


Sehr geehrter Herr Fincke,

als ein Vertreter der Institutionen, die in besonderem Maße als bizarr zu bezeichnende „Wahrheiten“ (und das ist sehr zuvorkommend ausgedrückt) verbreiten helfen und damit einer gesellschaftlichen Weiterentwicklung auf Basis humanistischer Ethik und verantwortungsbewusstem Denken(!) und Handeln(!) bremsend bis kontraproduktiv im Wege stehen, möchte ich mir erlauben Ihnen zu empfeh­len, in der steinernen Kirche, in der Sie sitzen, nicht mit (sinnentleerten) Gläsern um sich zu werfen.

Eigentlich könnten Sie doch froh sein, wenn solch ein auch schon für den halbwegs aufgeklärten Christen als intellektuelle Zumutung kaum noch zu ertragendes und psychologisch leicht zu durchschauendes Fantasiegebilde wie „Christi Himmelfahrt“ – aller apologetischer Weichzeichnung zum Trotz – klammheimlich verschwinden würde. Schließlich ist dies Ihrer Ideologie fortwährende Aufgabe, mit einigen Jahrhunderten Verspätung Ihre grotesken Irrtümer einzuräumen. Allerdings haben vor noch nicht allzu langer Zeit bis zu solch einem Eingeständnis bzgl. diverser Abenteuer­lich­keiten viele Menschen ihr Leben dafür gelassen oder dafür lassen müssen, aufgehetzt von religiösen Eiferern. Dies gibt es bekanntlich immer noch, wenn auch Teile des Christentums durch die Schule der Aufklärung gezwungen wurden, sich einen gemäßigten Stil zulegen zu müssen.

Ihnen und vielen anderen Personen des kirchlichen Lebens hier unterstelle ich dies Eifertum keineswegs! Aber diese unsägliche Tradition bleibt dennoch virulent. Diesen Feiertag mit der in der Tat bizarren Idee „Chr. Himmelfahrt“ – wie allgemein bekannt: als Fakt frei erfunden – durch „Evolutionstag“ zu ersetzen, stünde gerade auch der sich gern „fortschrittlich“ gebenden protestantischen Kirche nicht schlecht. (Übrigens: mit diesem Schritt nach vorn könnte nebenbei wieder dem nur sich am Rande mit solch skeptischer Haltung befassenden Zeitgenossen suggeriert werden, wie „offen“ man sei und vernebeln, dass letztlich doch komplett nur auf flüchtigen Sand gebaut wurde.)

Das Motto „Glaubst du noch oder denkst du schon?“ als derb zu qualifizieren, mögen Sie so sehen – allein, eine Erwähnung bzw. Distanzierung von den Hasstiraden gegen­über Andersdenkenden sowohl im AT als auch im NT!!! stände Ihnen an dieser Stelle Ihrer Glaubwürdigkeit willen gut zu Gesicht. Da gelobe ich mir doch so eine (vermeintliche) „Derbheit“.

Direkt komisch, aber auch subjektiv verständlich mutet Ihre Sorge um politische Ein­fluss­­nahme freidenkerischer Persönlichkeiten und Institutionen an. Komisch, weil ge­ra­de in Deutschland den beiden christlichen Kirchen immer noch unglaublich über­höh­te Einflussmöglichkeiten zugestanden werden – man kann diese hier gar nicht al­le aufzählen: Zumutungen sonder Maßen! Und verständlich, weil es Ihnen offen­sicht­lich gewahr wird, dass es augenscheinlich nur einiger weniger redlich Denkender braucht, um Ihre aller geschraubter Apologetik und Verneblungs­stra­tegien zum Trotz letztlich dem Geist, ethischem Niveau und wissenschaftlichem Kenntnisstand der Bronzezeit verhafteten Ideologie als solche nicht nur zu entlarven – das ist ja schon ungezählte Male geschehen – sondern dies endlich als „möglichen Erkenntnis­ge­winn“ in größerem Umfang zu verbreiten (im Gegensatz zum Missionieren!). Es trauen sich langsam immer mehr Leute das auszusprechen, wofür man seinerzeit ver­folgt, gefoltert und verbrannt wurde. Heute hat man eher noch mit gesellschaft­lichen, vor allem aber mit beruflichen Nachteilen zu rechnen.

Dass die Giordano Bruno Stiftung das Gründen von Regionalgruppen forcieren würde, muss Ihnen wohl der „Heilige Geist“ eingeflüstert haben. Oder anders ausgedrückt: es entspricht eben nicht den Tatsachen! So sehr diese Neugründungen zu begrüßen sind, so schwierig ist es – wie ich es Gesprächen diesbezüglich entnehmen konnte – diese Flut zu bewäl­tigen. Allerdings auch: Immer mehr Men­schen sind begeistert und sagen: „Endlich, das hat gefehlt – da engagiere ich mich“ (ehrenamtlich!). Wenn man aber bedenkt, dass in jedem Dorf mindestens eine Kirche steht…, so zeigt diese vorge­tragene „Sorge“ doch, dass kirchlicherseits wohl wahrgenommen wird, dass es bei dieser von säkularer Seite aus angestoßenen Ent­wicklung um Substanz geht. Da wird man dann offensichtlich schnell nervös!

Erlauben Sie mir noch eine Bemerkung zur Giordano Bruno Stiftung: wie Sie den umfangreichen Verlautbarungen der diversen z. T. hochrangigen Mitgliedern entneh­men können, ist – kurz gesagt – das Anliegen dieser Stiftung das Forschen nach und das Verbreiten von Erkenntnissen auf der Basis des evolutionären Humanismus. Insofern ergibt sich naturgemäß eine religionskritische Einstellung. Erst daraus ergibt sich an dritter Stelle, sozusagen als „Abfallprodukt“ auch einen kirchenkritische Haltung. D.h., die Kirche wird notgedrungen nur deshalb (und nur insoweit) ernst genommen, weil sie leider immer noch einen so unverhältnismäßig großen – wenn auch wohlweislich zunehmend im Verbor­ge­nen gehaltenen – Einfluss hat.

Mein Vorschlag wäre daher: Setzen Sie sich doch einmal inhaltlich mit dem Anliegen, den diversen Publikationen auseinander. Darauf warten viele Interessierte gespannt und dies seit inzwischen ge­raumer Zeit. Aber weder ein Herr Huber, noch ein Herr Küng oder andere waren bisher dazu in der Lage. Man darf gespannt sein!

Februar 22, 2011 - Posted by | Eigene Artikel

4 Kommentare »

  1. […] evangelisch.de geschrieben. Heute haben sowohl Thomas Buchholz bei wissenrockt und Burkhard Wepner im gsb-Blog nachgelegt. Schaut Euch das mal […]

    Pingback von noch mehr “Bizzares” über die GBS » Nics Bloghaus | Februar 22, 2011

  2. Also, mit dem „Heiligen Geist“ haben Sie sich aber vertan. Sie schreiben:
    „Dass die Giordano Bruno Stiftung das Gründen von Regionalgruppen forcieren würde, muss Ihnen wohl der „Heilige Geist“ eingeflüstert haben.“
    Da zitiere ich mal, ganz ohne Heiligen Geist und nur mit einem guten Suchprogramm den GBS-Newsletter vom 28. 10. 2010: Hier steht: „Es gab in den letzten Monaten kaum einen Newsletter, der nicht auf die Gründung einer neuen gbs-Regionalgruppe hingewiesen hat. Dieses Mal haben sich Fördermitglieder aus dem Raum Rheinhessen zusammen getan und vor einigen Wochen die gbs-Mainz/Rheinhessen gegründet. Kaum konstituiert haben die „Mainzer“ bereits einen Vortrag mit gbs-Kurator Carsten Frerk organisiert…“
    Ich glaub doch nicht an den Weihnachtsmann und lasse mir einreden, dass Regionalgruppen so mir nix dir nix aus dem Boden sprießen. Was ist denn das, was Fördermitglieder tun? Doch wohl FÖRDERN.

    Kommentar von Andreas Fincke | Februar 22, 2011

  3. Was damit gemeint war ist wohl, dass Vorstand und Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung nicht gezielt Regionalgruppen ins Leben rufen, sondern, dass sich sozusagen die regionale Basis aus dem Förderkreis selbst organisiert. Einige der Regionalgruppen haben sogar den Status eines eingetragenen Vereins (unabhängig von der Stiftung).

    Kommentar von Bruno | Februar 22, 2011

  4. @Herr Finke

    „Ich glaub doch nicht an den Weihnachtsmann und lasse mir einreden, dass Regionalgruppen so mir nix dir nix aus dem Boden sprießen. Was ist denn das, was Fördermitglieder tun? Doch wohl FÖRDERN.“

    1; jeder Mensch in Deutschland kann Fördermitglied werden. Das bedeutet erstmal nur, sich einzutragen und passiv seine Unterstützung zu demonstrieren.

    2, bei uns (Regionalgruppe Mittelfranken) war es so, dass ích die gbs von etwa eineinhalb Jahren gebeten habe, alle Fördermitglieder in Mittelfranken anzumailen und zu fragen, ob wir einen regelmäßigen Stammtisch einrichten wollen. Der Rücklauf war gut und nun haben wir seit einem Jahr eine recht aktive Regionalgruppe, die zusammen mit anderen Organisationen (BfG uund HVD) Infostände und Veranstaltungen organisiert. Alles freiwillig und OHNE Steuergelder!!! 😉 Die gbs ist regelrecht überrascht worden von diesen Basisinitiativen und hatte anfänglich auch große Bedenken.

    Ich bin mir sicher, so haben sich die anderen Gruppen auch gegründet, nach allem was man so hört von den Kollegen und Kolleginnen.

    Kommentar von Frank | Februar 23, 2011


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