gbs Köln

Ethikunterricht und Islamkunde für NRW

Für Schülerinnen und Schüler in Nordrheinwestfalen soll es bald ein Pflichtfach „Praktische Philosophie / Ethik“ geben, wenn es nach dem gestern veröffentlichten Koalitionsvertrag der rot-grünen Minderheitsregierung geht. Dort heißt es wörtlich: „Für Kinder, die nicht am konfessionellen Unterricht oder am islamkundlichen Unterricht teilnehmen, gibt es Praktische Philosophie / Ethik als ergänzendes Pflichtangebot“.

Hinter dem Berliner Modell, welches Ethik als Pflichtfach für alle Schüler vorsieht, hinkt dieser Entwurf freilich noch immer deutlich zurück, aber es scheint ein Schritt in die richtige Richtung zu sein, da es bisher an vielen Schulen in NRW bis zur Oberstufe kein alternatives Fach für den konfessionsgebundenen Religionsunterricht gibt.

SPD und Grüne wollen außerdem den Kurs der abgewählten schwarz-gelben Landeskoalition in Bezug auf einen „islamischen Religionsunterricht unter staatlicher Aufsicht“ für die ca. 1,4 Millionen Muslime in NRW fortführen. Weiterhin will die Landesregierung den Muslimen  „organisatorische Hilfen bei der Gründung von Religionsgemeinschaften anbieten“. Dadurch könnte die drittgrößte Glaubensgemeinschaft eine stärkere Lobby im Vergleich zu den überrepräsentierten Kirchen und auch den unterrepresentierten Konfessionslosen bekommen.

Die staatliche Unterstützung islamischer Unterweisung und die Stärkung der muslimischen Lobby dürften Laizisten  eher kritisch gegenüber stehen. Es stellt sich die Frage, ob die noch stärkere Aufspaltung von Klassenverbänden in Gruppen, die teilweise missionarisch an „ihre“ Religion herangeführt werden und teilweise nicht, Integration womöglich eher behindert als fördert. Die Stärkung der öffentlichen Organisation muslimischer Verbände (die von den betroffenen Muslimen bisher offenbar gar nicht gewollt ist) könnte Fundamentalismus und die Bildung von Parallelgesellschaften eher begünstigen als diese destruktiven Entwicklungen zu unterbinden.

TB

Juli 9, 2010 - Posted by | Eigene Artikel | , ,

6 Kommentare »

  1. Wichtiger als für „Ungläubige“ wäre eine Lexion in Praktischer Philosophie und Ethik eher für die Kinder, die von ihren Eltern eine Religion eingeimpft bekommen. Sie stellen die Kreuzzügler, die Flugzeugpiloten und andere, die um des Glaubens Willen andere Töten. Unter Religion verstehe ich dabei nicht nur solche Glaubenslehren, welche die Verehrung von einem Gott oder mehrere Götter zum Gegenstand haben, sondern auch andere metaphysische und politische Heilslehren wie beispielsweise Esotherik, Buddismus, Kommunismus und Faschismus, also alle, die meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

    Kommentar von Joachim | August 13, 2010

  2. […] [5]https://giordanobrunostiftung.wordpress.com/2010/07/09/ethikunterricht-und-islamkunde-fur-nrw/ […]

    Pingback von interkultur » Ist Islamkunde an deutschen Schulen sinnvoll? – Beispiel NRW | universität siegen | lehrstuhl mediengeschichte (prof. dr. susanne regener) | März 12, 2011

  3. […] [5]https://giordanobrunostiftung.wordpress.com/2010/07/09/ethikunterricht-und-islamkunde-fur-nrw/ […]

    Pingback von interkultur » Ist Islamkunde an deutschen Schulen sinnvoll? – Beispiel NRW (von Sarina Braun) | universität siegen | lehrstuhl mediengeschichte (prof. dr. susanne regener) | März 19, 2011

  4. Nehmen wir mal an, daß es das Ziel einer Religion ist den Glauben an gott /allah zu vermehren, so wurde mit dem Unterricht in Deutscher Sprache ein neues Tool hinzugefügt. Martin Luther wusste das.

    Im Religionsunterricht werden die Unterschiede zwischen den Menschen entlang der Grenzen der Religion definiert. Ich denke als Humanist daß diese Grenzen woanders liegen.
    Religionsunterricht kann in Kirchen Synagogen und Moscheen stattfinden.
    Aufgabe der Schule ist es Wissen über das Diesseits zu lehren. Die Religion vermittelt den Eindruck, das Diesseits würde vom jenseitigen gott / allah gesteuert. Diese Einschätzung wird täglich zurückgedrängt und ist nicht zu belegen . Sie bedarf des Beweises, um in der Schule vermittelt zu werden.
    Daher gehören religiöse Inhalte nur zwecks Analyse in den schulischen Unterricht und zwar ausschließlich in Klassen die über analytisches Denkvermögen verfügen und nicht dem kindlichen Zwang der unkritischen Übernahme der „elterlichen ?“ Erfahrungspotentiale unterliegen.
    Religionsunterricht nutzt diese unkritische Übernahme, wiederholt alte Dogmen und führt daher weder zum besseren Verständnis des Diesseitigen noch zur Verringerung von zwischenmenschlichen Konflikten . Schon gar nicht zwischen den Religionen.
    Ich fordere daher dazu auf sich für die Abschaffung von verpflichtendem Religionsunterricht in öffentlichen Schulen einzutreten denn seine Fortführung ist nicht nur unfruchtbar in Bezug auf notwendigen Wissenzuwachs sondern spitzt Konflikte zu.

    Kommentar von Friedensgrenze | März 20, 2011

  5. Islam-Kunde:

    »Goldblum, was hat denn dein Pferd?«
    *schulterzucken* »Is lahm!«

    Kommentar von klafuenf.de | Juli 15, 2011

  6. Religion gehört nicht in den Schulunterricht, sondern kann jeder privat betreiben, denn das ist einzig und allein Glaubenssache.

    Kommentar von susanne | Januar 22, 2012


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: