gbs Köln

Das Wort zum Sonntag

Die Geistlichkeit war von jeher eine Stütze der königlichen Macht und mußte es sein. Ihre goldene Zeit fiel immer in die Gefangenschaft des menschlichen Geistes, und wie jene sehen wir sie vom Blödsinn und von der Sinnlosigkeit ernten.

(F. Schiller, deutscher Dichter, 1759-1805)

November 7, 2009 Posted by | Eigene Artikel | | Hinterlasse einen Kommentar

Meisner – Hescheler

Kardinal Meisner

Meisner

Eine Replik an den Kölner Stadt-Anzeiger

Am anderen Ufer des Rheins
Zu den jüngsten Äußerungen Kardinal Meisners und eines seiner lauen Kritiker
(Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger vom 02.11.2009)

von Burkhard Wepner

Der Rhein führt zu unterschiedlichen Zeiten witterungsbedingt mal Niedrigwasser, mal Hochwasser. Auch in Köln. Wenn man aber den Wasserstand des Flusses als Metapher für sachliche Kompetenz, intellektuelle Redlichkeit und argumentative Lauterkeit heranzuziehen wagt, so müssten wohl immer dann, wenn sich Kardinal Meisner zu Wort meldet, sämtliche Schiffe vor Köln auf Grund laufen, so flach wäre das Gewässer in solchen Zeiten. Allerdings weiß man auch, dass bei extremem Niedrig­wasser die Konzentration an Giftstoffen besonders hoch ist.
Nun mag dies ein gar trefflich Bild sein – allein „Vater Rhein“ kümmerts nicht, er fließt so, „wie er will“. Auch dem hiesigen Kirchenoberen kommt nicht die Bedeutung zu, auf Grund derer die Naturgesetze vorübergehend außer Kraft gesetzt werden müssten. Das soll ja schon einmal anders gewesen sein, sagt man, angeblich!

Zu Kardinal Meisners Einlassungen, zu seinen Verdrehungen, Entstellungen und Unterstellungen, nicht zuletzt auch zu seinem Argumentationsstil der Geschichts­klitterung, welche aus Unkenntnis oder Ignoranz oder aus beidem gespeist zu sein scheint, ist bereits vieles gesagt worden; allein notwendig mag eine Reaktion überhaupt nur auf Grund des hohen Konzentrats an „Giftstoffen“ sein, die allerdings nur ein grelles Licht auf den Erzeuger zurückwerfen. Ansonsten sollte man das Ganze eher mit Humor nehmen, denn man könnte schon fast meinen, dass vielleicht doch ein statisches Weltbild ins Wanken geraten ist, so man die Intensität des Polterns zum Maßstab nimmt.
In diesem Zusammenhang sei nebenbei bemerkt, dass die Aussage des Kölner Stadt-Anzeigers, Kardinal Meisner würde, wie auch in diesem Fall geschehen, immer wieder gern auf Vergleiche mit dem Nationalsozialismus zurückgreifen, durchaus bekannt und zutreffend ist; jedoch in dem Fall der „entarteten Kunst“ verhält es sich etwas anders. Denn hier vergleicht Meisner nicht das vom ihm kritisierte Gegenüber mit der Naziideologie, nein, hier begibt er sich selbst in gefährliche Nähe.

Eher diskutierenswert ist die Reaktion des Stammzellenforschers Jürgen Hescheler, welche in Auszügen im Kölner Stadt-Anzeiger vom 02.11.2009 zitiert wird. Hescheler bezeichnet sich selbst als Wissenschaftler und praktizierenden Katholiken. Da wird man hellhörig und hofft auf Antworten zu der Frage, wie dies denn zusammengeht. Zwar äußert sich Hescheler diesbezüglich nicht, sondern geht lediglich mit „erheblicher Kritik“ (so der Stadt-Anzeiger) auf Kardinal Meisners Ausführungen ein. Jedoch vermeidet er dabei jedes inhaltliche Argument und verbleibt stattdessen ausschließlich im Bereich des Atmosphärischen. Letzteres ist (zumindest aus seiner Sicht) in Teilen auch richtig und wichtig, greift aber bedauerlicher Weise viel zu kurz. Dennoch sprechen ungewollt des Wissenschaftlers Worte Bände und geben eine Ahnung von dem, was wohl doch Antworten auf die obige Frage erahnen lässt, nämlich wie denn Wissenschaft und praktizierter Katholizismus zusammenzugehen vermag, oder eben nicht.

Juergen_Hescheler

Jürgen Hescheler

„Wir versuchen alle, dass Wissenschaft und Kirche wieder näher zusammenkommen.“
Wer, bitte schön, ist „wir“? Und wieso gar „alle“? Warum nun „Wissenschaft“ ausgerechnet mit „Kirche zusammenkommen“ soll, und nicht zunächst einmal mit Religion (auch wenn dies hier nicht als ein Plädoyer für eine zwingende Notwendigkeit dafür verstanden werden sollte), erschließt sich nicht.

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November 7, 2009 Posted by | Eigene Artikel | , | Hinterlasse einen Kommentar