gbs Köln

Bischof Mixa

bischof_walter_mixa_2008Es gibt Kirchenvertreter, die einem das Leben als Atheisten schwer machen und solche, die es einem leicht bis vergnügt machen. Bischof Mixa gehört zu den letzteren. In Deutschland gibt es im Moment bestenfalls noch einen Religionsvertreter, der es in Bezug auf Peinlichkeit und unqualifizierte Äußerungen mit Mixa aufnehmen könnte, nämlich Kardinal Meisner in Köln. Selbst überzeugte Christen in meinem Bekannten- und Verwandten-Kreis schütteln angesichts dieser beiden Spassvögel nur noch den Kopf. Die beiden schaffen es locker, mehr Katholiken vom Glauben abzubringen als das die Giordano Bruno Stiftung mit ihrer mühsamen Aufklärungsarbeit je leisten könnte.

In der letzten „Menschen bei Maischberger“ Talkrunde brachte Mixa einen besonders gelungenen Gag. Er behauptete, dass die katholische Kirche eine frauenfreundliche Religionsgemeinschaft sei und dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein ethisches Grundprinzip des Christentums sei. Da fragt man sich, ob der gute Mann sich schon mal die 10 Gebote angesehen hat, denn im 10. Gebot wird bekanntermaßen die Frau zu den Besitztümern des Mannes gezählt. Davon ganz abgesehen haben Frauen in der katholischen Kirche teilweise Berufsverbot. Besonders „frauenfreundlich“ wird es in der Bibel bei Epheser 5:

22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. 23 Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. 24 Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen.

So weit ist es also schon gekommen, dass ein berüchtigter Atheist einem Bischof die Bibel erklären muss! Entweder er kennt diese Stelle in der Bibel nicht oder er hat sie nicht verstanden. Vielleicht möchte er sie aber auch gar nicht kennen und verstehen, weil sie nicht in das Bild passt, das er vermitteln möchte.

Den Vogel abgeschossen hat aber Mixa nun in seiner Osterrede mit der Behauptung, dass Massenmord eine Folge des Atheismus sei. Einen solchen Witz würde man zwar eher von einem Kabarettisten erwarten, aber wie man sieht, schwingt sich Mixa langsam auf in die Spitzenriege deutscher Humoristen.

Natürlich ist es ein Witz, den Atheismus für Gulags, Konzentrationslager und Massenmorde verantwortlich zu machen. Weder beim Kommunismus noch beim Nationalsozialismus stand der Atheismus im Vordergrund. Er war jeweils bestenfalls Beiwerk einer Ideologie, die selbst Züge einer Ersatzreligion hatte. Gerade beim Nationalsozialismus spielte, soweit ich das sehe, Atheismus überhaupt keine Rolle, vielmehr gab es eher eine gewisse mystische Verbindung zum Christentum. Darum war auch der Widerstand der christlichen Kirchen eher gering bis nicht vorhanden.

Auf der anderen Seite haben Eroberer im Zeichen des Kreuzes ganze Völker vernichtet. So brachten, nur als einzelnes Beispiel, die Christen zwischen 1494 und 1508 auf Haiti durch Krieg, Sklaverei und Zwangsarbeit mehr als drei Millionen Menschen um. Als 1979 Papst Johannes Paul II. Haiti besuchte, verlor er über diesen Völkermord kein einziges Wort.

Zählt man alle Opfer zusammen, die auf Kosten des Christentums gehen, so kommt man laut Deschner auf mehrere hundert Millionen Menschen. Wenn man so will, ist das eine konsequente Fortsetzung der Morde, die Gott selbst anhand der Bibel zugesprochen werden können. Nimmt man nur die Stellen, wo klare Zahlenangaben gemacht werden, so kommt man auf 2 391 421 Tote. Insgesamt ist damit das Christentum eine der grössten Heimsuchungen unseres Planeten.

Mit seiner Rede möchte Mixa wohl von diesen Tatsachen ablenken. Nach Mixa gehört es daneben auch ganz offensichtlich zur christlichen Ethik, Andersdenkende und insbesondere Ungläubige herabzuwürdigen und Intoleranz zu predigen. Aber was solls, wer nimmt ihn denn noch wirklich ernst? Wir werden sicher weiterhin unsere Freude an ihm haben.

Bernd Vowinkel

weitere Kommentare zum Thema:

http://feuerbringer.wordpress.com/2009/04/12/mixa-ruckt-atheisten-in-die-nahe-von-nazis/#more-212

http://proudatheists.wordpress.com/2009/04/12/why-do-christians-insist-that-hitler-was-an-atheist/

April 12, 2009 - Posted by | Eigene Artikel

5 Kommentare »

  1. […] ehrliche, friedliche, realistische und skeptische Atheisten stehen immer auf der Seite der Menschen und der Tiere, weil jeder Mensch […]

    Pingback von sapere aude » Blog Archive » sapere aude warnt vor aggressiven Christen | April 13, 2009

  2. […] Ein Fall für §166? Bischof Mixa provoziert Atheisten Gespeichert unter: Uncategorized — atheologie @ 11:17 In seiner Osterpredigt hat Bischof Mixa sich in provozierenden Worten gegen Atheisten und Ungläubige (Nichtchristen) gewandt. Entspricht dies dem Tatbestand der "Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen" (§166 STGB)? Man kann davon ausgehen, daß Herr Mixa einige diesbezügliche Anzeigen erhält und diese Frage hoffentlich geklärt wird. Quellen:  Bistum Augsburg Spiegel.de Süddeutsche   Im diversen Blogs werden die Äußerungen von Walter Mixa kritisch diskutiert: GSB Blog […]

    Pingback von Ein Fall für §166? Bischof Mixa provoziert Atheisten « Atheologie | September 14, 2009

  3. […] Bischof Mixa wird es deswegen völlig egal sein, dass seine Äußerungen sowohl zur Finanzkrise als auch zum Atheismus und dessen Verbindung zum Nationalsozialismus, nicht nur dumm sind, sondern im wahrsten Sinne gemeingefährlich. […]

    Pingback von Die katholische Kirche – Gehören Mixas verbale Entgleisungen zu einer Strategie? « RatgeberNewsBlog | Januar 13, 2010

  4. mixa macht die kirche unglaubwürdig.so ein typ kann aber in der kirche aufsteigen.es gibt gute pastöre und schlechte,wie bei allen menschen.der himmel hat seine eigenen spielregeln und schert sich nicht an das bodenpersonal.jeder muß in sich reinhorchen,dann bekommt er auch eine antwort,wie er sich verhalten soll.ich brauche keine anweisungen von der kirche.die sollen sich selbst an die eigene nase fassen.die machen viel geld und meinen damit können sie die leute täuschen.und die dummen bezahlen immer noch.viele sind eben nicht wach zu bekommen.

    Kommentar von hans-ulrich lechtenböhmer | April 17, 2010

  5. […] In seiner Osterpredigt hat Bischof Mixa sich in provozierenden Worten gegen Atheisten und Ungläubige (Nichtchristen) gewandt. Entspricht dies dem Tatbestand der "Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen" (§166 STGB)? Man kann davon ausgehen, daß Herr Mixa einige diesbezügliche Anzeigen erhält und diese Frage hoffentlich geklärt wird. Quellen:  Bistum Augsburg Spiegel.de Süddeutsche   Im diversen Blogs werden die Äußerungen von Walter Mixa kritisch diskutiert: GSB Blog […]

    Pingback von Ein Fall für §166? Bischof Mixa provoziert Atheisten | Atheologie | Juli 28, 2014


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: