gbs Köln

Die Kirche hat Darwin nie akzeptiert

Die Journalistin Ariane Sherine rief die britische Buskampagne der Ungläubigen Anfang 2009 ins Leben. - Foto: AFP

Herr Schmidt-Salomon, Sie sind Vorstandssprecher der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung. Sie fordern, den Feiertag Christi Himmelfahrt umzubenennen in „Evolutionstag“. Was soll das bringen? Ist das maximale Provokation?

Im Grunde ist unsere Forderung doch etwas völlig Normales! Wir leben in einem Staat, in dem mindestens ein Drittel der Bevölkerung keine religiösen Werte vertritt. Die Feiertage sind aber noch immer durch religiöse Riten dominiert. Das muss verändert werden. Schließlich gibt es eine kulturelle Evolution – auch im Feiertagskalender. Viele Feiertage aus der Vergangenheit feiern wir aus guten Gründen nicht mehr. Und so sollte auch berücksichtigt werden, dass ein Drittel der Bevölkerung mittlerweile konfessionsfrei ist und in der Feiertagsgesetzgebung berücksichtigt werden sollte. Im Darwinjahr hat es sich angeboten, den Evolutionstag zu fordern – auch deshalb, weil wir meinen, dass die weltanschaulichen Konsequenzen der Evolutionstheorie nicht hinreichend beachtet werden.

Und die wären?


Die Evolutionstheorie erklärt die Entstehung von sinnvollen Mustern, ohne dass dahinter sinnvolle Planung steht. Früher konnten Theologen sagen: „Schaut euch die Natur an, dahinter muss doch ein Plan stehen, denn auf natürlichem Wege kann so etwas nicht entstehen.“ Die Evolutionstheorie zeigt aber auf, dass für die Entstehung von Ordnung das blinde Walten von Zufall und Notwendigkeit völlig ausreicht.

Darwin verstehen heißt verstehen, dass es keinen Gott gibt?

Zumindest ein bewusst vorgehender Schöpfergott steht im Widerspruch zur Evolutionstheorie, denn Evolution ist kein zielgerichteter Prozess. Die traditionellen Religionen kommen ohne einen planvoll vorgehenden Schöpfer aber nicht aus. Ein Christ, der seine Religion noch halbwegs ernst nimmt, muss notgedrungen ein Schöpfungsgläubiger sein! Das heißt nicht, dass er dem wortgetreuen Modell der amerikanischen Kreationisten folgen muss. Ein Christ kann durchaus sagen: „Es gibt eine Evolution und das Universum ist 13,7 Milliarden Jahre alt.“ Aber ein Christ kann nicht darauf verzichten, dass Gott uns gewollt hat, dass er mit seiner Schöpfung einen Plan verfolgt. Wenn ich auf die Idee der Schöpfung verzichte, dann muss ich im Grunde auch alles andere fallen lassen, was den christlichen Glauben ausmacht.

Viele Naturwissenschaftler halten Darwin und Religion für vereinbar. Der Philosoph Jürgen Mittelstraß sagt, Darwin und die Kirche hätten sich nie im Kriegszustand befunden: „Aufgabe der Wissenschaft ist es, die Welt zu erklären – Aufgabe des Glaubens, das menschliche Leben zu stabilisieren und zu orientieren.“ Das klingt doch nach einer sinnvollen Teilung.

Ja, das klingt sehr nett, weil wir alle keine Konflikte haben wollen. Doch der Nichtangriffspakt zwischen Religion und Wissenschaft ist nicht haltbar. Denn die Erklärungsmodelle der Naturwissenschaft stehen im Widerspruch zu den Orientierungsmodellen der Religion. Manche versuchen das einfach zu ignorieren. Aber wenn man genau hinschaut, dann sieht man, dass die Kirche Darwin nie akzeptiert hat. Sie hat akzeptiert, dass der Körper des Menschen aus der Evolution stammt, dass der Mensch einen Vorfahren hat, den wir mit dem Schimpansen teilen. Aber sie akzeptiert nicht, dass die höheren geistigen Funktionen, das, was die Kirche Seele nennt, eben auch evolutionär entstanden ist. Die Kirche verlangt von dem Gläubigen einen Dualismus zwischen Körper und Geist. Der widerspricht allem, was wir aus der Hirnforschung wissen.

Vielen Menschen ist die Religion wichtig, weil sie Spielregeln schafft, Werte vertritt. Die Religion gilt als Rückgrat der Moral.

Dieses Argument hört man oft, es ist aber empirisch falsch. Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Demokratie, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, das waren keine religiösen Werte, sondern Werte, die gegen die Religion erkämpft werden mussten. Und so landeten fast alle Vordenker der Demokratie und der Menschenrechte auf dem römischen Index der verbotenen Schriften. Wenn Sie sich die Enzykliken, Hirtenbriefe, Rundschreiben der Päpste angucken, so waren diese bis ins 20. Jahrhundert hinein gegen solche Werte gerichtet. Und sexuelle Selbstbestimmung beispielsweise ist für den Vatikan bis heute noch ein Fremdwort.

Weiterlesen im Originalartikel…

Ins Griechische übersetzt:

Dr. Stelios Frangopoulos

April 7, 2009 - Posted by | Aktionen, Interviews

Sorry, the comment form is closed at this time.

%d Bloggern gefällt das: