gbs Köln

Die Frohe Botschaft mit der Kriegsbemalung!

Karlheinz Deschner

«Es muss anders werden»

Mit einem enorm umfangreichen Werk kämpft der Kirchenkritiker Karlheinz Deschner gegen das Christentum, in dem er «die Frohe Botschaft mit der Kriegsbemalung» sieht. Ein Gespräch über Gott, Zwingli und himmelschreiendes Unrecht.
Von David Signer


Herr Deschner, was ist der Kern des Christentums?
Die Frohe Botschaft mit der Kriegsbemalung. Dazu gehören viele schöne Legenden, zum Beispiel das Märchen von der Auferstehung. Gehören viele schöne Gebote, zum Beispiel das Gebot der Nächsten-, der Feindesliebe, das Gebot, nicht zu stehlen, nicht zu töten, und die Klugheit, keines dieser Gebote zu halten. Christentum, das ist die Liaison eines Gesangsvereins mit einer Feuersbrunst.

Aber was ist denn heute am Christentum noch so schlimm? «Kriminalgeschichte des Christentums» heisst Ihr inzwischen achtbändiges Hauptwerk. Hat die Kirche – zumindest in Westeuropa – nicht massiv an Einfluss verloren?
Zunächst: Ich beschreibe nicht das bestehende, das gegenwärtige Christentum, sondern seine Vergangenheit, also oft, aber oft auch nicht, etwas mehr oder weniger anderes. Heute jedenfalls noch kriminell im Christentum sind die Auswirkungen seiner Ideologie, die vielen Folgen seines dogmatischen Wahnsinns, der sich ja nie mit dem bloßen Glauben begnügt, der vielmehr missionieren, ausgreifen, erobern will. Heute noch kriminell im Christentum ist dessen desaströse Sexual- und Sozialmoral, seine Praxis, im Mutterschoß zu schützen, was man dann preisgibt im Krieg – als sammelte man in Weiberbäuchen Kanonenfutter. Aus den großen Opfern der Armen für die Reichen macht es kleine Opfer der Reichen für die Armen. Was die Kirchen aber in Westeuropa verlieren oder zu verlieren scheinen, gewinnen sie woanders, in «God’s own country» etwa, wieder.

Geht heute nicht eine viel größere Gefahr vom radikalen Islam aus?
Was den Islam betrifft – seine eigenen aggressiven Potenziale, verstärkt durch die sozioökonomische Misere der Dritten Welt, einmal beiseite –, was den Islam betrifft, den man, wie einst Juden oder Kommunisten, bald nur noch in der Rolle des Bösen, ja fast des einzig großen Bösen sieht, könnte diese Rolle gewissen westlichen Kreisen nicht durchaus erwünscht, könnte von ihnen die islamische Gefahr nicht insgeheim gar noch geschürt worden sein?

Aber es ist doch offensichtlich, dass viele Terroristen heute ihre Morde islamisch legitimieren.
Ja, nach der hier herrschenden öffentlichen Meinung. Doch eine Ende November publizierte weltweite Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung kommt zu einem andern Resultat. Als Hauptmotiv nämlich politischer Gewalt – sie hat sich in den letzten fünf Jahren verdreifacht – nennt die Studie nicht religiösen Fanatismus, sondern Armut, Misswirtschaft und Unterdrückung. Der religiöse Extremismus, darunter der islamische, nehme zwar zu, umfasse aber insgesamt nur ein Viertel der terroristischen Gruppen. Ihren größten Anteil, 36 Prozent, stellen, wie eh und je, nationalistische Bewegungen.

Ist die Gewalt und die Ausschließung der Andersdenkenden überall im Monotheismus angelegt, oder gibt es Abstufungen?
Alle drei monotheistischen Religionen haben etwas Chauvinistisches. Etwas Gewalttätiges und Vergewaltigendes. Haben kraft ihres Auserwähltheitsdünkels einen Absolutheitsanspruch, der echte Toleranz von vornherein ausschließt.

Was treibt Sie über all die Jahrzehnte zu dieser unglaublichen Arbeit an? Empörung?
Ja, was treibt mich? Schlicht und einfach: das Unrecht. Ein himmelschreiendes Unrecht, jahrtausendelang verpackt in pseudofromme Sprüche, in unverschämte Lügen; nachzulesen in Dutzenden meiner christentumskritischen Bücher.

Weiterlesen:

Weltwoche

Ins Griechische übersetzt:

Teil 1

Dr. Stelios Frangopoulos

Teil 2

Dr. Stelios Frangopoulos

März 9, 2009 - Posted by | Interviews | , ,

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