Wissenschaft kann moralische Fragen beantworten
(hpd) In seiner Rede im Bundestag hat Papst Benedikt XVI. darauf abgehoben, dass die Naturwissenschaft nur das Sein ergründen kann, aber nicht das Sollen. „Ein positivistischer Naturbegriff, der die Natur rein funktional versteht, so wie die Naturwissenschaft sie erklärt, kann keine Brücke zu Ethos und Recht herstellen…. Zwischen dem Sein und dem Sollen besteht ein unüberbrückbarer Graben“. Sam Harris zeigt in The Moral Landscape, dass genau das Gegenteil richtig ist.
Das Wort zum Sonntag
Für Menschen die viele Überzeugungen ohne rationale Rechtfertigung haben, gibt es verschiedene Bezeichnungen. Sind ihre Überzeugungen sehr weit verbreitet, nennen wir sie “religiös”; ansonsten sagt man gern, sie seien “verrückt”, “psychotisch” oder “wahnsinnig”.[...] Geistige Gesundheit liegt eindeutig in der Anzahl. Und doch ist es nur ein historischer Zufall, dass der Glaube, der Schöpfer des Universums könne unsere Gedanken lesen, in unserer Gesellschaft als normal gilt, während es auf eine geistige Krankheit hindeutet, wenn man glaubt, er wolle uns etwas mitteilen, indem er die Regentropfen im Morsecode an das Schlafzimmerfenster klopfen lässt. Also sind religiöse Menschen zwar nicht generell geistesgestört, aber ihre Kernüberzeugungen sind es durchaus.
Sam Harris (The End of Faith)


