Historischer Massenmord verhandelt!
von unserem Gerichtsreporter Dr. Gerd Eisenbeiß, irgendwann in diesem Jahrhundert
In einem aufsehenerregenden Verfahren wurde heute in Den Haag über einen historischen Massenmord, der sich vor etwa 3500 Jahren ereignet hat, folgendes Urteil verkündet:
„Der Hohe Gerichtshof der Vereinten Nationen hat heute in der Streitsache der Republik Ägypten, im Folgenden „Klägerin“ genannt, gegen Unbekannt mit dem Rufnamen Jahwe, vertreten durch einen Vertreter seines sog. „Ständigen Vertreters“ zu Rom wie folgt entschieden:
Im Namen der Völker ergeht nach Anhörung des Klägers und genauer Prüfung der historischen Beweise in Abwesenheit des Angeklagten das folgende Urteil:
Der Angeklagte wird des Massenmordes für schuldig erklärt. Der Angeklagte ist überführt, vor etwa 3500 Jahren willkürlich und heimtückisch eine ganze ägyptische Armee im Roten Meer ertränkt zu haben. Es handelte sich um ein in der Geschichte einmaliges Kriegsverbrechen, da das Massaker außerhalb jeder Verhältnismäßigkeit lag; soweit der Täter eine an sich legitime Grenzschutzmaßnahme ergreifen wollte, habe er bei der ihm zugeschriebenen universellen Machtfülle ein ganzes Arsenal alternativer Handlungsmöglichkeiten ohne Todesfolgen zur Verfügung gehabt.
Eine Revision wird nicht zugelassen, da die Beweisaufnahme zum Tathergang in ihren wesentlichen Teilen von der Verteidigung bestätigt wurde.“
Vernunft schlägt Bibel 1:0
Buchtreu gläubige Monotheisten bestehen darauf, dass ihre heiligen Schriften göttlich inspiriert sein müssen. Aber wie wollen sie als einfache Menschen entscheiden, welche Teile es wirklich sind? Sind nur die frommen Fabeln über Nächstenliebe des Neuen Testamentes inspiriert? Oder auch die grausamen Blutopfer und Genozide, die der Gott Jahwe im Alten Testament gebietet? Und warum gibt es heute offenbar keine göttliche Inspiration mehr? Vielleicht weil Jesus eigentlich schon kurze Zeit nach seinem Tod die Apokalypse herbeiführen wollte?
Eines muss bei der Lektüre „heiliger Schriften“ immer im Kopf behalten werden: Wir können die Mentalität der Autoren von vor so vielen Jahrhunderten nie vollständig verstehen, da wir völlig anders sozialisiert worden sind. Abergläubische Erklärungen für merkwürdige Phänomene waren bis vor dem Zeitalter der Aufklärung überall auf der Welt für jeden normalen Arbeiter, Bürger und Adligen, ja sogar für die meisten Philosophen naheliegender als wissenschaftliche Tatsachen, die oft noch gar nicht erforscht waren. Die meisten Menschen wollten an Wunder glauben und trösteten sich mit dem Jenseitsglauben über die katastrophalen diesseitigen Lebensumstände hinweg. Um das Jahr Null gab es keine Sozialhilfe, dafür Massenarmut und Sklaverei , im Mittelalter wurden die Verhältnisse teilweise noch schlimmer, da Standesgrenzen fast unüberwindbar wurden.
Heute gibt es immerhin in manchen Teilen der Erde so großen Wohlstand, dass ein glückliches und notfreies Leben im Diesseits nicht mehr als totale Utopie erscheinen muss. Immer mehr Menschen finden Zeit und Muße, sich mit der Philosophie der Aufklärung zu beschäftigen. Manche stoßen dabei vielleicht auf den “Vater der modernen Philosophie” David Hume, der selbst so große Denker wie Kant, Schopenhauer, Darwin, Karl Marx, Adam Smith und Albert Einstein inspirierte. Bereits im 18. Jahrhunder formulierte er eine vernichtende, bis heute unwiderlegte Kritik an den in „heiligen“ Schriften dokumentierten übernatürlichen Wundern. Hume ging davon aus, dass es stets wahrscheinlicher sei, dass ein Zeuge oder Dokumentator eines Wunders sich irrt oder lügt, als dass wirklich die tausendfach glaubhaft geprüften Naturgesetze aufgehoben worden wären. Oder, mit den Worten von Christopher Hitchens: “Was ist wahrscheinlicher – dass ein Mensch von Gott als Übermittler einiger bereits vorhandener Offenbarungen benutzt wird, oder dass ein Mensch einige bereits vorhandene Offenbarungen ausspricht und glaubt – oder behauptet –, dass Gott es ihm befahl?“
Auch und insbesondere betrifft diese Kritik das angeblich „größte Wunder aller Zeiten”, die Auferstehung Christi, welche den zentralen und entscheidensten Glaubensinhalt der christlichen Lehre ausmacht. (Für den australischen Philosophen John L. Mackie hingegen war das größte Wunder aller Zeiten, dass der Theismus so lange überlebt hat.) Hume schließt zwar nicht kategorisch aus, dass es Wunder geben kann, aber er sagt zurecht, dass wir niemals welche annehmen sollten, wenn unsere rationale Vernunft sie eigentlich als viel zu unwahrscheinlich verwerfen müsste. Vor Hume hatte man zumindest noch die Entschuldigung, keinen Zugang zu dieser Erkenntnis gehabt zu haben. Diese Ausrede gilt heute nicht mehr. Wer heute trotzdem immernoch an Wunder glaubt, verfällt naivem Wunschdenken von vorgestern.
TB
Das Wort zum Sonntag
aus der Bibel, Heb 10:
30 Denn wir kennen den, der gesagt hat (5.Mose 32,35-36): »Die Rache ist mein, ich will vergelten«, und wiederum: »Der Herr wird sein Volk richten.«31 Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.
Frage an die Christen: wie kann ein allgütiger Gott gleichzeitig so rachsüchtig sein?






