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Warum die Theologie keine Wissenschaft ist

Die Position der Theologie ist, dass der religiöse Glaube einen anderen Zugang zur Wahrheit eröffnet, der den Naturwissenschaften für immer verschlossen ist. Die Erkenntnisse der Naturwissenschaften sind angeblich in eine größere Wahrheit eingebettet, zu der nur der Glaube Zugang hat. Außerdem sieht sich die Theologie im Besitz absoluter Wahrheiten in Form der Dogmen.

Thomas von AquinDie Idee, dass es sich bei der Theologie überhaupt um eine Wissenschaft handelt, stammt von Thomas von Aquin. Er sah im Glaubensbekenntnis die gleiche Rolle wie die der Axiome in der Mathematik. Sein Wissenschaftsanspruch geht auf Aristoteles zurück, der Axiome für so evident hielt, dass sie keiner weiteren Begründung mehr bedürfen. Was bei diesem Vergleich allerdings meistens übersehen wird, ist die Tatsache, dass die Axiome der Mathematik für alle einsichtig sind, die über ein gewisses Maß an Intelligenz und Bildung verfügen. Bei den Glaubensgrundsätzen scheint diese Einsicht aber irgendwie ortsabhängig und von der Erziehung abhängig zu sein. Außerdem gibt es einen erheblichen Prozentsatz von intelligenten und gebildeten Menschen, die diese Grundsätze restlos ablehnen, weil sie ihnen völlig unvernünftig und unlogisch erscheinen.

Die heutige Wissenschaftstheorie ist vom Evidenzanspruch der Axiome wieder abgerückt. Sie sieht in den Axiomen der Mathematik und den Prämissen der Naturwissenschaften Setzungen bzw. Annahmen über deren absoluten Wahrheitsgehalt keine Aussagen gemacht werden können. Demzufolge werden Erkenntnisse und Theorien der Naturwissenschaften nicht mehr als absolut wahr angesehen, sondern man sieht in den Theorien mehr oder weniger brauchbare modellhafte Beschreibungen der Realität. Genauere Theorien liegen näher an der Wahrheit und sind damit bessere Beschreibungen. Die bisher bekannten Theorien haben darüber hinaus Gültigkeitsgrenzen. Eine grundlegende, physikalische „Theorie für Alles” d.h. eine Theorie ohne Gültigkeitsgrenzen ist im Moment nicht in Sicht, kann aber für die Zukunft auch nicht restlos ausgeschlossen werden.

Zu den Prämissen der Naturwissenschaften zählen der Realismus, der Rationalismus und der Naturalismus. Der Realismus geht davon aus, dass die Welt, so wie wir sie mit unseren Sinnen wahrnehmen, real existiert. Der extrem entgegen gesetzte Standpunkt zum Realismus ist der Solipsismus. Er kann nicht widerlegt werden, ist aber auch nicht wirklich wert, tiefer diskutiert zu werden, weil er grundsätzlich alles in Zweifel zieht. Dennoch gibt es in den modernen Theorien der Physik (Quantenmechanik, Superstringtheorie und Schleifenquantengravitation) Ansätze, die den Realismus in seiner althergebrachten Form in Frage stellen. Materie, Energie, Raum und Zeit verlieren dabei ihren Absolutheitsanspruch. Was stattdessen im Kern bleibt, ist das, was man vielleicht am besten mit Information umschreiben könnte. Mit dem Standpunkt des Rationalismus gehen die Wissenschaftler/innen davon aus, dass die Natur mit dem menschlichen Verstand im Prinzip verstehbar ist, was ebenfalls keineswegs selbstverständlich ist und wohl auch nur für einen eher kleinen Teil der Bevölkerung zutrifft. Der Naturalismus verbietet, bei Erklärungen von Vorgängen der Natur auf mystische Substanzen und Phänomene zurückzugreifen. Obwohl die drei Prämissen keinen Anspruch auf absolute Wahrheit haben, sind sie dennoch für die Naturwissenschaften eine zwingende Voraussetzung und die empirische Erfahrung hat gezeigt, dass sie sich hervorragend bewähren. So kann man mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaften und der Mathematik funktionierende Maschinen und Apparate bauen und sogar Krankheiten heilen. Wenn es sich bei den Naturwissenschaften lediglich um Mythen handeln würde, wäre das wohl kaum möglich.

Wissenschaftstheorie und Theologie

Bei der Theologie liegen die Dinge völlig anders. Zu der Frage, ob es sich bei der Theologie überhaupt um eine Wissenschaft handelt, hat der protestantische Theologe Wolfhart Pannenberg mit seinem Buch „Wissenschaftstheorie und Theologie” einen erheblichen Beitrag geleistet. Er formuliert vier Kriterien zur Beurteilung der Wissenschaftlichkeit:

1) Kohärenz: Die Aussagen einer gegebenen Wissenschaft behandeln einen einheitlichen Gegenstandsbereich.
Der Gegenstandsbereich der Theologie ist Gott, der nach Aussage der Theologie die Eigenschaft hat „die alles bestimmende Wirklichkeit” zu sein. Damit schwingt sich die Theologie nach eigener Ansicht zu einer Wissenschaft auf, die letztlich für alles zuständig ist und für alles letzte Erklärungen liefert. Naturwissenschaftler und andere rational denkende Menschen können das nur als reinen Größenwahn bezeichnen.

2) Wahrheit: Die Aussagen einer Wissenschaft sind Behauptungen über Sachverhalte, die entweder wahr oder falsch sind.
Wie sollte man entscheiden, ob die Aussage „Es gibt einen Gott” wahr oder falsch ist? Beide möglichen Positionen sind weder beweisbar noch empirisch überprüfbar. Das hält allerdings einige übermütige Theologen nicht davon ab, neue Gottesbeweise vorzustellen. Zuweilen berufen sich Gläubige in Bezug auf die Existenz Gottes auf persönliche Offenbarungen. Da ihr Wahrheitsgehalt aber nicht objektivierbar ist, sind sie für die Allgemeinheit und damit für die Wissenschaft ohne Bedeutung. Merkwürdigerweise scheinen auch diese Offenbarungen ortsabhängig zu sein. So haben Christen Offenbarungen in denen ihnen z.B. Jesus oder Maria erscheint. Mohammedanern erscheint Mohammed oder Allah. Daneben können die moderne Hirnforschung und die Psychologie diese Effekte mittlerweile weitgehend als Fehlfunktionen des Gehirns erklären.

3) Kontrollierbarkeit: Wissenschaftliche Aussagen können überprüft werden.
Nach Meinung der meisten Theologen steht diese Forderung im Gegensatz zur göttlichen Autorität. Da fragt man sich, wie etwas oder jemand über Autorität verfügen kann, wenn nicht einmal seine Existenz kritisch hinterfragt werden darf. Was dahinter steckt ist doch ganz offensichtlich eine Selbstimmunisierung gegen kritische Fragen. Solche Methoden sind ansonsten von totalitären Staaten recht gut bekannt.

4) Theologische Thesen sind Hypothesen, die den Prüfkriterien (d.h. Falsifizierbarkeit) nach der Wissenschaftstheorie von Karl Popper unterliegen.
Viele der theologischen Thesen beruhen auf Transzendenz. Auch einige naturwissenschaftliche Thesen sind so entstanden. Diese haben zunächst den Status von Hypothesen. Stellt sich heraus, dass solche Hypothesen grundsätzlich den Prüfkriterien nicht zugänglich sind, so haben sie zur Erklärung von Naturphänomenen oder Teilen unseres Weltbildes keinerlei Aussagekraft. Nun zeigt sich aber, dass an den Prüfkriterien sämtliche theologischen Thesen und insbesondere die theologischen Dogmen scheitern. Hier könnte natürlich ein Theologe sagen, dass es sich bei den Dogmen um Axiome handelt, die nicht weiter zu hinterfragen sind und es kommt letztlich nur auf die Bestätigung ihrer Folgerungen an. Wer so argumentiert, muss sich fragen lassen, ob sich der Sinnzusammenhang aller Wirklichkeitserfahrung überzeugender erschließt, wenn man davon ausgeht, dass Gott existiert und dass Jesus Gottes Sohn ist.

Der Unterschied zwischen den Naturwissenschaften und der Theologie ist, dass offene Fragen und alternative Erklärungsvorschläge in den Naturwissenschaften beantwortet und entschieden werden können. Alte Konzepte (wie z.B. der Äther in der Physik und die Lebenskraft in der Biologie) werden über Bord geworfen, wenn sie sich als untauglich erweisen. In der Theologie aber gibt es keinen wirklichen Fortschritt. Das Einzige was man notgedrungen aufgrund des enormen Druckes von Seiten der Naturwissenschaften unternimmt, ist der Versuch, sich selbst durch geschickte Uminterpretationen der Bibel zu immunisieren. Unsere Wissenschaftsgeschichte hat aber gezeigt, dass sich mystische Erklärungen von Naturphänomenen auf die Dauer immer als falsch herausgestellt haben. Dennoch hält die Theologie noch immer krampfhaft am Leib-Seele-Dualismus fest, weil ansonsten ihr Menschenbild und damit ihre gesamte Grundlage in sich zusammenbrechen.

Theologie ist keine Wissenschaft

Der fehlende Bezug zur Realität und die mangelnde Überprüfbarkeit führen zu einer Beliebigkeit der Religionen. So gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Religionen, von denen jede von sich behauptet, die einzig wahre zu sein. Es kann aber nur eine Wahrheit geben und daher kann nur eine Religion oder gar keine die einzig wahre sein. Wenn man sich nun für eine dieser Religionen entscheidet, so ist die Wahrscheinlichkeit die richtige zu treffen der Kehrwert der Zahl der Religionen. Wenn wir mal annehmen, dass wir nicht die einzigen intelligenten Lebewesen in dieser Welt sind und dass zumindest in einer Übergangsphase alle Zivilisationen auch Religionen entwickeln, so geht die Wahrscheinlichkeit die einzig wahre Religion zu treffen in die Nähe von Null. Fazit: gerade die Vielzahl und die Beliebigkeit der Religionen zeigt, dass sie mit Wahrheit und Realität nichts zu tun haben können.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass es sich bei der Theologie nicht um eine Wissenschaft handelt. Sie hat keinen anderen Zugang zur Wahrheit oder zur Realität, sondern sie hat dazu überhaupt keinen Zugang. Die Dogmen haben ebenfalls keinerlei Bezug zur Realität. Sie entsprechen vielmehr den Wunschvorstellungen einiger Irregeleiteter. Aus diesen Gründen sollte die Theologie als Lehrfach an den Universitäten abgeschafft werden, denn hier werden Steuergelder in eine Pseudowissenschaft gesteckt.

Bernd Vowinkel

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April 23, 2009 - Posted by | Eigene Artikel

6 Kommentare »

  1. Zu den vier Kriterien gibt Pannenberg auch weitere Hinweise, mit denen sich einige der kritischen Punkte klären lassen. Vielleicht müsste man dort nochmal nachlesen. Schade, denn eigentlich fing der Text gut an, wird aber letztlich wieder polemisch statt sich mit der Theologie als Wissenschaft genauer auseinander zu setzen. Hier ein paar Punkte:
    Bsp.: Dogmen als Hypothesen – lt. Pannenberg geht es eben nicht darum, letztlich wieder Axiome daraus zu machen, sondern dass sich im weiteren geschichtlichen Verlauf herausstellen muss, ob diese Hypothesen der Wirklichkeit entsprechen oder ob andere die Wirklichkeit besser erklären. Dass der Autor hier mit einer theologischen Weltdeutung nichts anfangen kann, heißt nicht, dass den Dogmen der Status wissenschaftlicher Hypothesen abzusprechen ist.
    Bsp. “Wahrheit”: es geht hier nicht darum, dass die Sätze wahr sind, sondern dass sie einen Wahrheitsanspruch haben. Von demher geht der Kommentar an der Sache vorbei.

    Weiterhin bezieht sich der ganze Text nur auf die Dogmatik in der Frage, ob Theologie eine Wissenschaft ist. Was ist mit den anderen Fächern? AT, NT, Kirchengeschichte… da wird es schon schwieriger die Unwissenschaftlichkeit “nachzuweisen”, ohne z.B. die Literaturwissenschaft oder Geschichtswissenschaft mit auszuschütten.

    Kommentar von mary | April 8, 2010

  2. [...] Hier habe ich einen guten Artikel gefunden, der meiner Ansicht recht gut entspricht: Warum die Theologie keine Wissenschaft ist Zusammengefasst geht es darum, dass die Theologie etwas "erforscht" was in keinster Weise [...]

    Pingback von Anonym | Juli 3, 2010

  3. Theologie ist Wissenschaft immer dann, wenn sie sich mit religions-soziologischen Themen beschäftigt (welche Religionen gibt es, Historie, Einfluss auf die Gesellschaft etc.). Wenn sie inhaltliche Aussagen basierend auf nicht hinterfragbare Dogmen macht, ist sie offenbar unwissenschaftlich.

    Kommentar von Michael | März 1, 2012

  4. erstmal Danke an Bernd Vowinkel! Ich dachte schon ich wäre allein in diesem Universum
    und direkt von die “Dunkle Materie der Ignoranz” beeinflusst und unterjocht zu werden!
    A Priori: für mich existiert entweder Wissen oder Glauben!
    (vorausgesetzt: Glauben fängt dort an wo das Wissen aufhört!)
    Wissenschaftlichen Theorien basieren auf mathematischen Axiomen, die empirisch
    und evolutionär festgelegt worden sind! Selbst wenn sie Abstrakte Konstrukte
    der menschliche Intelligenz und rationale Schlussfolgerungen der Beobachtung
    der Naturgesetze, sie in mathematischen Formel umschreiben und letztendlich
    voraussagen können, immer wieder, ohne “Wunder”, nachgehen und bestätigen,
    so bleiben sie nach wie vor auf der Suche! Neugier! Erste Baustein der Intelligenz!
    Und man hört niemals auf!
    Dagegen die “Religion”! Es ist eine “Glaubenschaft”! (Keine Wissenschaft!),
    Sie postuliert “A Priori” eine Wahrheit die nur auf einen “Konstrukt” basiert!
    Ein “Wunschdenken” zu vergleichen mit dem Anspruch der “Ufologie, Telekinese,
    Astrologie, Chiromantie, Akupunktur, Homöopathie, Ayurveda, Voodoo, Feng-Shui,
    Kristalle, Pendel, u.v.a.
    Dekoriert mit Engel, Geister, Dämonen, Wunder, Schicksal, Karma…..
    Noch kein Wissenschaftler war in der Lage, das Mysterium von “Pinocchio” zu entlüften!
    Wie schaffte er von Holzpuppe sich in einen Junge zu verwandeln?
    Mah! Märchen werden täglich aufgetischt!
    “Ai posteri l´ardua Sentenza!”
    Ciao con Affetto Franco

    Kommentar von Franco | Juli 9, 2012

  5. U truly produced some remarkable ideas inside ur blog post, “Warum
    die Theologie keine Wissenschaft ist gbs Köln”. I am going to be coming to your
    web-site soon enough. Many thanks -Adeline

    Kommentar von http://google.com | Februar 12, 2013


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